Aufschieben der größte Zeitdieb

Es war nicht nur ein rhetorischer Leckerbissen. Wer den Empfehlungen von "Effizientertainer" Martin Geiger folgt, könnte tatsächlich mehr Lebensqualität und weniger Stress im Alltag erreichen. Doch es klingt fast zu einfach. Sehr unterhaltsam war der Abend aber auf jeden Fall.

(sbü) Martin Geiger nennt sich Effizientertainer, eine Wortkombination aus Effizienz und Entertainer. Effizienz bezieht Geiger vor allem auf den Umgang mit dem knappen Gut Zeit. Und Entertainer ist er auf jeden Fall auch, wie das häufige laute Lachen des Publikums im großen Hörsaal der OTH in Weiden bewiesen hat. Trainer des Jahres war Geiger auch schon einmal und endlos lang ist die Liste seiner Referenzen und Medienauftritte. Doch was er seinem Publikum, in diesem Fall auf Einladung des Wirtschaftsclubs, mitgeben will, klingt meist sehr einfach. Die Umsetzung dürfte dennoch sehr schwer fallen. Je mehr sie gelingt, desto mehr Lebensqualität könnte gewonnen werden.

Not-Do-Liste

Ein Satz steht bei Geiger ganz oben "Sie werden es niemals schaffen, alles das zu tun, was sie tun wollen". Und weil dies so sei, solle man sich nicht eine Prioritätenliste, sondern eine "Not-do-Liste" aufstellen. Und einen anderen übergeordneten Leitsatz nannte Geiger auch "Wenn Sie die Dinge, die Sie tun müssen, effizienter gestalten, haben Sie mehr Zeit für das, was Sie gerne tun". Ausgehend von diesen zentralen Feststellungen entwickelte Geiger zahlreiche Empfehlungen im Umgang mit dem knappen Gut Zeit.

"Paragraph 1 einer Unternehmenssatzung muss lauten: Jeder löst seine Probleme selbst", empfiehlt Geiger. Deshalb solle man nicht die Probleme des anderen zu seinen eigenen machen. Und eine weitere Empfehlung hieß: "Sagen Sie nicht ja, wenn Sie nein meinen". Ein schlimmer "Zeitkiller" sei auch das "E-Mail-Checken". E-Mails nennt Geiger "brennende Feuer". Maximal dreimal am Tag sollten die E-Mails gelesen werden und dann beantwortet oder erledigt werden.

Erinnerungskärtchen: Tu es

Auch eine andere Überlegung gab Geiger seinen Zuhörern mit auf den Weg: "Wir haben zu viele offene Schubladen, das sind Vorhaben, die wir vor uns herschieben". Das persönliche Aufschieben sei der größte Zeitdieb, sagt Geiger. Deshalb ist für ihn "der Schlüssel zum Erfolg nicht das Wissen, sondern die Anwendung und das Tun". An alle Besucher verteilte Geiger deshalb am Abend rote Erinnerungskärtchen mit der Aufschrift "Tu es!"

Viel Zeitverschwendung sieht der Effizientertainer auch in "ineffektiven Besprechungen". Meetings im Stehen empfiehlt er deshalb unter anderem. Grundsätzlich müsse es eine Agenda geben und der Punkt "Verschiedenes" solle immer am Anfang stehen. Schmunzeln der Zuhörer löste auch Geigers Empfehlung für ein Türschild "Was würden Sie tun, wenn ich nicht da wäre?" aus. Und nachdenken sollte man auch über den Satz "Ein Sterbender bedauert bestimmt nicht zu wenig Zeit für die Beantwortung von E-Mails gehabt zu haben". Eine weitere Kontrollfrage eines Zeitmanagements könnte lauten "Bin ich gerade produktiv oder nur beschäftigt?"

Ratenweiser Selbstmord

Das Ziel des Unternehmers sollte nicht in der "eigenen Vollbeschäftigung liegen", sagt Geiger. Und zum Nachdenken will Geiger auch mit den zwei Sätzen anregen: "Es gibt ein Leben vor dem Tod" und "Zeitverschwendung ist ratenweiser Selbstmord".
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