Ausdruck bleibt

Seit 2008 lebt Künstler Leo Bäumler nicht mehr: Das ändert nichts daran, dass er echte Hingucker geschaffen hat, die es nun wieder zu sehen gibt.

Künstlerische Nachlässe müssen erhalten und gezeigt werden, meint Kunstvereinsvorsitzender Wolfgang Herzer. Die Eröffnung der Ausstellung mit Werken des verstorbenen Bildhauers Leo Bäumler ist ein Anfang.

Plastiken und Reliefs des 2008 verstorbenen Bildhauers Leo Bäumler aus Oberköblitz sind in einer Ausstellung zu sehen, die am Sonntagvormittag in der Galerie des Alten Schulhauses eröffnet wurde. Atmosphärisch seien die Arbeiten Bäumlers eng mit dem Werdegang des Weidener Kunstvereins verbunden, betonte Wolfgang Herzer.

Der Wunsch nach einer solchen Ausstellung, durch die das Schaffen Leo Bäumlers auch der Nachwelt erhalten bleibe, existiere schon seit längerem, erklärte Herzer. Es sei ihm ein Anliegen, künstlerische Nachlässe zu erhalten. "Sie gehörten über die Zeit hinaus bewahrt." Denn: "Die Generation der Nachkriegszeit hat Ansehnliches geschaffen." In den Schnitzereien und Bildhauerarbeiten Bäumlers bleibe ein Stück weit der Geist der Vergangenheit lebendig und lade auch künftige Generationen zum Dialog ein. Beim Kunstverein lagerten derzeit mehrere Nachlässe bedeutender regionaler Künstler ein. "Diese Ausstellung ist ein Appell an den Kunstraum Oberpfalz."

Religiöse Wurzeln

In unserer schnelllebigen Zeit scheine es keine Vergangenheit mehr zu geben. Umso erlebnisreicher sei der Besuch einer Ausstellung wie dieser. "Leo Bäumlers Arbeiten haben nichts von ihrem Ausdruck verloren." In Bäumlers Skulpturen sei der Geist seiner Zeit gegenwärtig. 1925 auf der Rennerhöhe in Weiden geboren, gehöre er zu jenen, die in den Fünfzigern dem öffentlichen Raum der nördlichen Oberpfalz das künstlerische Gesicht gegeben hätten. In ihm seien religiöse Wurzeln auch in der aufklärerischen Zeit lebendig geblieben. Deshalb befänden sich viele seiner Arbeiten im kirchlichen Umfeld.

Das weitgefächerte Skulpturenprogramm in der Auferstehungskirche in Pirk, ein beeindruckendes Beispiel moderner, sakraler Kunst, stamme aus seiner Werkstatt. Hier habe er den pazifistischen Deserteur, wie er sich gesehen habe - Leo Bäumler hatte sich mit der Axt am Bein verletzt, um dem Kriegsdienst zu entkommen, gleichwohl war er jugendlicher Kriegsteilnehmer und Kriegsgefangener in den Ardennen - mit archäisch-geometrischer Klarheit zu einer unsterblich biblischen Botschaft verdichtet. Leo Bäumler sei ein weltoffener Katholik gewesen und habe mit seiner Kriegsgefangenschaft, Kreuzigungs-Einsiedelei und Fluchtbotschaft - "durch das Leid zum Licht" - seine ganz persönliche Interpretation der Frohbotschaft dargelegt, sagte Herzer.

Schon als Hüterbub habe Bäumler mit Schnitzereien das weite Feld der Kunstwelt entdeckt. Bodenständig, wie er zeitlebens gewesen sei, habe er sich im alten Pfarrhof von Oberköblitz niedergelassen und eine große Familie gegründet. Die Feiern in seinem Haus seien legendär gewesen. Seine Werke seien geprägt von einer auffällig stilistischen Offenheit.
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