Ausgrabungen belegen: Einst ein bedeutender Ort
Schmalnohe in einem neuem Licht

Bei den archäologischen Voruntersuchungen haben die Archäologen Dr. Mathias Hensch und Ines Buckel im unmittelbaren Umfeld der Kirche unter anderem gut erhaltene mittelalterliche Gräber, zum Teil mit Münzbeigaben, freigelegt. Für die Fachleute ist dies der Beleg, dass sich um rund um die Kirche im Mittelalter ein Friedhof befand. Bilder: ct (2)
Die Pfarrgemeinde Schlicht ist bemüht, die Filialkirche in Schmalnohe zu sanieren. Dabei rückte das Kirchlein in den Fokus archäologischer Voruntersuchungen, die Dr. Mathias Hensch (Schauhütte-Archäologie Regensburg), ein profunden Kenner der Siedlungsgeschichte des Raumes, leitet. Schon jetzt zeichnen sich erstaunliche Ergebnisse ab. Schmalnohe gehört, dem Ortsnamen mit dem Grundwort germanisch "-aha" (Bach) nach zu urteilen, zu den ältesten germanischen Ortsbezeichnungen des Sulzbacher Raums.

Der Name bedeutet "zur schmalen Ache" und weist auf eine Entstehung vor dem achten Jahrhundert nach Christus hin. An einem exponierten Südhang über dem Bachtal der Schmalnohe nördlich des Weilers steht noch heute das Kirchlein St. Otto, das bis in das späte 18. Jahrhundert dem Heiligen Martin von Tours geweiht war. Das Martinspatrozinium könnte auf frühmittelalterliche Wurzeln des Kirchleins hindeuten, denn Bischof Martin von Tours war "Staatspatron" der fränkischen Königsdynastien der Merowinger und Karolinger.

Hof und Wald verschenkt

Der Ort selbst wird 1130 erstmals als "Smalnaha" erwähnt. Zu dieser Zeit war eine Familie dort ansässig, die sich nach ihrem Sitz "de Smalnaha" nannte. Von einer Kirche ist erstmals 1143 die Rede, als Otto von Schmalnohe, einer der bedeutendsten Ministerialen der mächtigen Grafen von Sulzbach, die diese, einen möglicherweise befestigten Hof ("Curtis") und einen Wald dem Kloster Michelfeld schenkte. Der Ort war damals offenbar einer der wichtigsten Verwaltungsmittelpunkte nördlich des Herrschaftszentrums Sulzbach. Die Herren von Schmalnohe waren Spitzengefolgsleute der Grafen von Sulzbach. Letztere gehörten im 11. und 12. Jahrhundert zu den mächtigsten Adelsfamilien im Reich und stellten zur Zeit der Ersterwähnungen von Schmalnohe unter anderem eine deutsche Königin und die einzige deutschstämmige byzantinische Kaiserin, die jemals den oströmischen Thron bestieg.

Mindestens drei Bauphasen

Die aktuellen, bauvorgreifenden Voruntersuchungen lassen schon jetzt die außerordentliche Stellung des Ortes und seiner Kirche im hochmittelalterlichen Herrschaftsgefüge nördlich des Burgzentrums Sulzbach erkennen. Es zeichnet sich ab, dass der stehende Kirchenbau deutlich vor das 12. Jahrhundert zurückreicht und heute mindestens drei mittelalterliche Bauphasen vereint.

Die archäologischen Spuren der Blütezeit Schmalnohes sind eindrucksvolles Zeugnis hochmittelalterlicher Herrschaftsorganisation und Repräsentation des reichsweit agierenden Hochadelsgeschlechts der Grafen von Sulzbach. Edelsfeld besitzt demnach hier ein weit über die Gemeindegrenzen hinaus bedeutsames Boden- und Baudenkmal.

Die bei der Voruntersuchung erfassten archäologischen Reste - direkt unter einer dünnen Humusschicht gefunden - sind im Bereich der Wegebaumaßnahmen und der Renovierung des Kirchleins akut gefährdet und müssen daher fachgerecht archäologisch untersucht werden. Im Wesentlichen wird dies erst nach dem Winter möglich sein.
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