Ausschuss unter Druck

Diese Nuss ist kaum zu knacken. Das Landesamt für Denkmalpflege beharrt auf den Erhalt der Gebäude der Baugenossenschaft Familienheim in der Schweigerstraße 1 bis 11. Dabei sind die Wohnungen längst geräumt. Die Häuser aus dem Jahr 1924 sollten bereits abgebrochen sein.

Die Stadträte sitzen zwischen den Stühlen, denn im Bau- ausschuss erteilten sie bereits die Abbruchgenehmigung. Aber sie wird nicht verschickt. Der Konflikt mit dem Landesamt wäre zu groß, zumal die Denkmalschützer ankündigen, alle Rechtsmittel auszuschöpfen, um den Abbruch zu unterbinden.

Beim Gespräch in München öffnete der Generalkonservator jedoch unerwartet Türen: Es dürften Aufzüge an die denkmalgeschützten Häuser gesetzt und die Dachgeschosse ausgebaut werden. Damit folgt er teilweise der Argumentation der Baugenossenschaft, die mit dem Hinweis auf fehlende barrierefreie Wohnungen in Weiden und speziell in der Genossenschaft ihren Abbruchantrag begründet. Bau- und Planungsdezernent Hansjörg Bohm sprach deshalb von einem neuen Weg, der hier erkennbar ist. Allerdings, so betonte er, präferiere die Baugenossenschaft mit guten Gründen Abbruch und Neubau. Das Landesamt sei hingegen nicht auf den "Kompromiss" eingegangen, wonach der Gebäuderiegel in der Schweigerstraße erhalten, und nur die Kopfbauten in der Frauenrichter- und Fehrstraße ersetzt werden sollten.

Die Baugenossenschaft sei nun zu einer aufwendigen Planungs- und Recherchearbeit aufgefordert. Sie soll "Maß und Zahl" für die Maßnahmen ermitteln. Mit "Umbau und Anpassung" sei das Landesamt einverstanden. Es schlage den Stadträten weiter nicht vor, die Zustimmung zum Abbruch zurückzunehmen. Es ergehe vielmehr kein Bescheid, um weiter Optionen und Spielräume zu nutzen. "Jetzt müssen die Planer ran."

Bürgermeister Jens Meyer trug diesen Vorschlag mit. Er betonte, dass der lange Leerstand hohe Kosten bei der Baugenossenschaft verursache. Deshalb solle eine Entscheidung nicht auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden. Er schlug vor, dass die Stadt das Landesamt für Denkmalpflege einlade, damit die Hintergründe für die strikte Ablehnung des Abbruchs nachvollziehbar würden. "Wir sollten Druck machen. Warum sollten diese Gebäude erhaltenswert sein?" Durch die Aufzuganbauten sowie die Dachgauben bekämen sie einen vollkommen anderen Charakter.

Für eine Lösung "wie sie die Baugenossenschaft will", votierte Markus Bäumler (CSU). Er stelle den Denkmalcharakter der Gebäude in Frage. Karl-Heinz Schell (SPD) schlug eine schärfere Gangart vor: "Lassen wir den Mann vom Landesamt antanzen. Wir wollen auch durchsetzen, was wir beschlossen haben: den Abbruch." Sein weiterer Vorschlag: "Beim Umbau kann ja die Fassade einfallen." Daraufhin betonte Josef Gebhardt (SPD), dass es keine offizielle Empfehlung des Bauausschusses sei, "einen Bagger loszulassen". Es gehe vielmehr darum, Leerstände in Weiden zu vermeiden und den Wohnraum zu schaffen, der in der Stadt benötigt werde.

Auch Bohm warnte davor zu versuchen, "mit Schlitzohrigkeit" die Probleme lösen zu wollen. Das Landesamt würde der Stadt ein derartiges Verhalten übelnehmen. Hans Sperrer (CSU) versicherte, er habe einen "Lachkrampf" bekommen, als das Landesamt "die alten Kästen" in die Denkmalliste aufnahm.
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