Außen Gold, innen hohl

Der Betrügerring der BWF-Stiftung ging so weit, dass im Tresor in Zehlendorf sogar "echte" Goldbarren zur Ansicht bereitlagen. Es handelte sich um Attrappen, so wie das ganze Investmentmodell erfunden war. Bild: dpa

Das Ehepaar aus dem Landkreis Tirschenreuth, kurz vor der Rente, macht einen recht verzweifelten Eindruck. "Das war unsere Altersvorsorge." Die beiden haben 2013 ihre Lebensversicherungen verkauft und den Erlös in eine "bombensichere" Goldanlage gesteckt. Die Bombe platzte im Frühjahr: Die Familie ist einem Berliner Betrügerring aufgesessen - und weitere 8000 Anleger.

Weiden/Tirschenreuth. (ca) In einer Großrazzia hatte die Berliner Polizei zehn Beschuldigte festgenommen. Im Tresor einer Villa in Zehlendorf fanden sich Attrappen: Pappe, mit Blattgold überzogen. Die Herren waren als BWF-Stiftung aufgetreten: Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung. In einem Hochglanzprospekt priesen sie den Goldkauf an. Der Vertrieb lief über 500 Vermittler bundesweit. Das Insolvenzverfahren läuft. Es kann Jahre dauern, bis man weiß, ob von den Rädelsführern des gigantischen Betrugs etwas zu holen ist.

Dr. Lutz Rittmann, Anwalt der Eheleute, hat daher einen Versicherungsmakler aus dem Landkreis Tirschenreuth verklagt. Er hatte die Anlage in der Region an den Mann gebracht. Rittmann sieht den örtlichen Vermittler in der Haftung. Er habe völlig unzureichend aufgeklärt. Vor der Zivilkammer erschien der "Finanz- und Wirtschaftsberater" (so steht's auf seiner Visitenkarte) nicht. "Er ist das größte Opfer", verteidigte ihn seine Anwältin Ulrike Möstel: "Den letzten beißen die Hunde." Das Ehepaar ist nicht die einzige Klagepartei, die Schadensersatz fordert. "Da scharren schon andere mit den Hufen." Ein zweites Verfahren in Weiden ist für Dezember terminiert. Auf einen Vergleich wollte sich die Anwältin daher nicht einlassen.

Makler vor Ruin

Sollte der Richter den Makler in der Haftung sehen, könne das seinen Ruin bedeuten. Aktuell sieht es danach aus. Für Richter Viktor Mihl war "die Haftung des Beklagten wahrscheinlich": "Wenn ich mich als Versicherungsvertreter auf ein fremdes Gebiet begebe, dann muss ich mich kundig machen. Oder wenigstens sagen: Ich habe davon keine Ahnung." Eine Entscheidung verkündet er am Freitag, 4. Dezember, 10 Uhr.

Das Mitleid der Eheleute mit ihrem "Berater" hielt sich in Grenzen. "Wir haben diesem Mann vertraut", sagte die Frau. An einem Sommerabend 2013 habe er bei einem Hausbesuch die Gold-Anlage vorgestellt. Er habe "extra eine Prüfung gemacht" und dürfe als einer von 500 Vermittlern dieses Produkt anbieten. "Wir haben immer wieder gefragt: Hat das einen Haken? Gibt es da ein Risiko?" Das habe der Beklagte kategorisch verneint. Er habe selbst bei der BWF-Stiftung angelegt - "und der Beckenbauer auch", ergänzte der Ehemann.

Der Berater habe die Lebensversicherungen "schlecht geredet" und die Kündigungsschreiben gleich selbst aufgesetzt. Die Lebensversicherungen liefen zum Teil schon seit 1972 und wären ab 2017 ausbezahlt worden. Das Geld war zur Aufstockung der Rente gedacht. Ein Leben lang habe man gespart, sich nie einen wirklichen Urlaub gegönnt. So aber überwies das Paar 2013 in Tranchen insgesamt 31 000 Euro nach Berlin. Per Post kamen schöne Urkunden über den Besitz von 808 Gramm Gold, das in Berlin eingelagert sei. "Wir könnten es sogar anschauen", sagte der Ehemann. Zudem wurde nach einer Laufzeit von 2 bis 4 Jahren der Rückkauf für 130 Prozent der Einzahlung garantiert. Der Richter wägte ein Mitverschulden durchaus ab, wenn die "Augen vor dem Unmöglichen verschlossen werden": "Das ist doch klar, dass das nicht funktioniert."
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