Außergewöhnlicher bayerisch-jiddischer Liederabend mit Andrea Pancur und Ilya Shneyveys
Wenn Jodeln melancholisch wird

"Alpen-Klezmer - was wird denn das eigentlich sein?" Mit dieser Frage dürften sich wohl einige Musikfreunde im Vorfeld auseinandergesetzt haben, die am Donnerstagabend zur "Klein & Kunst"-Veranstaltung in die Weidener Max-Reger-Halle gekommen waren.

Auf der Bühne standen mit Sängerin Andrea Pancur und Akkordeonist Ilya Shneyveys zwei außergewöhnliche Künstler, denen man musikalisch wohl so ziemlich alles zugetraut hätte. Herausgekommen ist ein ganz besonderer bayerisch-jiddischer Liederabend, der so schnell nicht in Vergessenheit geraten dürfte.

An sich war es ein Volksmusik-Abend, der gut zwei Stunden lang die Besucher nicht nur unterhielt, sondern auch regelrecht begeisterte. Vergleichbares hatte man in Weiden und Umgebung bisher noch nicht gehört, denn etwas verwegen klingt die ganze Sache dann doch - nämlich jiddischen Klezmer mit der bayerischen Volksmusik zu verbinden. Und gleichzeitg auch wieder nicht, wie im Laufe des Konzerts immer deutlicher wurde, als die beiden Künstler eine Vielzahl innerer Verbindungsstränge aufzeigten. "Drunt in der greana Au, steht a Birnbaum schee blau!", hieß es zum Auftakt und das Publikum stimmte schnell ins "Juchhe!" ein. Bayerisch war angesagt, klar - doch schon wenig später sang die Münchnerin von "tsvayg", "nest" und "foygl" - den Birnbaum gab es also auch auf jiddisch.

Die perfekte Symbiose des Abends war aber nicht nur auf Text und Melodie beschränkt, sondern zeigte sich vor allem auch in den Künstlern: Die Oberbayerin und der Este agierten als eingespieltes Team, das sich dennoch gegenseitig den nötigen Freiraum für eigene, individuelle Akzente gab. Viel Applaus bekam der Alpen-Klezmer vom Publikum - beispielsweise die bayerische Vokalakrobatik Pancurs "Der do dadad ma scho daug'n", gepaart mit einem mitreißendem Klezmerklang Shneyveys' auf dem Akkordeon. Bayerische und jiddische Kultur wurden vermischt - und das durchaus auch mit einer Portion Augenzwinkern.

Pancurs Stimme kam aus tiefster Seele, war kraftvoll, leidenschaftlich und eindringlich. Ein Höhepunkt war sicherlich die bayerische Version von "Heabstlid" der großen jüdischen Dichterin Beyle Schaechter-Gottesman: Da bekam sogar das Jodeln etwas Melancholisches verliehen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.