Außergewöhnliches Konzert in St. Michael beendet die 16. Weidener Max-Reger-Tage
Max Reger und der Erste Weltkrieg

Ein ehrgeiziges Vorhaben war es, die 16. Weidener Max-Reger- Tage unter das Motto "Zeitenwende - Zeitenende. Max Reger und die Jahre um den Ersten Weltkrieg" zu stellen. Das Abschlusskonzert am Sonntag in St. Michael krönte das Thema, indem es die entscheidenden Werke aus Regers letzten Lebensjahren präsentierte. Zuerst erklang die "Phantasie und Fuge d-moll" op 135b für Orgel.

Hanns-Friedrich Kaiser spielte das ausgedehnte Werk mit der nötigen Einfühlungsgabe für die vielen anklingenden Gedanken, die sich in Lautstärke und Tonintensität steigern. Auch die Fuge beginnt ganz leise, entfaltet sich in verschiedenen Tonkombinationen und gewinnt darin an Festigkeit und Vehemenz, bis die Schluss-Sequenz das ganze Orgelwerk mit einbezieht. Ein abstraktes Tongemälde zu schwieriger Zeit. Es folgten vier der "12 geistlichen Lieder" op 137, die sich mit dem Ende des Lebens befassen. Ihnen ist gemeinsam ist, dass sie Gott als den Allmächtigen darstellen, dagegen den Menschen als hoffenden Bittsteller. Mit bittendem Ton in der klaren Stimme stellte Mezzosopranistin Frauke May angemessen die menschliche Situation dar. Kaiser begleitete dezent auf der Orgel.

Die sieben "Orgelstücke" op 145 tragen Titel. Nr. 1 ist eine "Trauerode", die "Dem Gedenken der im Kriege 1914/15 Gefallenen" gewidmet ist. Musikalisch geschieht diese Widmung in leisen Tonfolgen wie in brutal lauten Akkordkaskaden. Das Ende erfolgt in leise trauernden kurzen Melodieansätzen. Eine andere Stimmung entwirft die Nr. 2, ein "Dankpsalm - Dem deutschen Heere", der mit vollem Ton eine hymnische Stimmung aufbaut. Schließlich macht sich eine kämpferisch gestimmte Fuge immer mehr breit und gipfelt nach mehreren Ansätzen in einem groß angelegten Schlussakkord.

Frauke May sang vier weitere Lieder aus der Sammlung "Zwölf geistliche Lieder" op 137. Tadellos bewältigte sie die anspruchsvolle Stimmführung des Komponisten. Es folgte auf der Empore das krönende Abschlusswerk, das "Requiem" op 144b. Friedrich Hebbels Worte sind schon düster und werden durch Regers Musik noch desaströser.

Bereits die Orgel-Einleitung von Ute Steck stimmte auf das ernste Thema ein. Frauke May sang die Texteinleitung "Seele, vergiss nicht die Toten" mit klagender Stimme. Der Chor, präzise und einfühlsam geleitet von Hanns- Friedrich Kaiser, vertiefte die Vorstellung, dass "sie dich umschweben". All das wird musikalisch und dichterisch vertieft durch die Vorstellung, dass die Toten, wenn man sie vergisst, vom "Sturm der Nacht" in die "unendliche Wüste" gejagt werden.

Ergriffene Zuhörer

Diese unheimliche Vorstellung vermag Reger mit heftigen Tonfolgen noch erschreckender zu gestalten. Wer nach diesem Werk nach wie vor glaubt, Reger halte viel vom Tod im Krieg, irrt sich musikalisch ganz eindeutig. Nur zögerlich brach der Beifall aus, so ergriffen waren die Zuhörer am Ende. Dafür steigerte er sich dann umso gewaltiger an diesem großen Ende der Max-Reger- Tage.
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