Ausstellung in Berufsschule schärft Blick für häusliche Gewalt
Nichts ist, wie es scheint

Schülerinnen lesen von Schicksalen, bei denen viele wegschauen. Bild: blu
Weiden setzt ein Zeichen gegen häusliche Gewalt. Die Wanderausstellung "Blick dahinter. Häusliche Gewalt gegen Frauen" in der Europaberufsschule blickt hinter die Fassade der scheinbar heilen Familie.

Notwendig ist die Ausstellung, weil körperliche Angriffe gegen Frauen auch in Weiden und im Landkreis weiter zunehmen, wie Weidens Gleichstellungsbeauftragte Monika Langer bei der Eröffnung berichtete. 2014 habe es allein in Weiden 257 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt und Stalking gegeben. Sowohl die Zahl der Einsätze als auch das Ausmaß der Brutalität sind laut Polizei steigend.

OB Kurt Seggewiß nannte es "beschämend und erschreckend", dass jede vierte Frau in ihrem Leben Gewalt durch ihren eigenen Partner erfahre. Er betonte, dass es in fast allen Fällen Männer seien, die Gewalt ausüben. SPD-Landtagsabgeordnete Annette Karl klärte auf, dass es nicht nur körperliche, sondern auch seelische Gewalt sei, die den Frauen jegliches Selbstwertgefühl raube. Die Ausstellung mache klar, dass sich häusliche Gewalt durch alle Bildungschichten, Sozialschichten und Altersgruppen zieht. Schulleiter Josef Weilhammer rief dazu auf, die unbequemen Themen zu diskutieren.

Es sind sogenannte Leticularwände, also Schüttelbilder, die von Einzelschicksalen erzählen. Auf den ersten Blick sitzt auf dem Foto ein älteres Paar gemütlich bei der Brotzeit. Dann ändert man den Blickwinkel - und plötzlich blickt die Frau mit versteinerten Blick aus einem blau geschlagenen Auge ins Leere. Der Mann daneben trinkt sein Bier. Schein und Wirklichkeit sind nah beieinander. Und es ist auch für Außenstehende oft nur eine kleine Änderung des Blickwinkels, ob sie bei häuslicher Gewalt hin- oder wegsehen. Die Besucher schauen zumindest bei der Ausstellung hin, die bis 20. Mai im Eingangsfoyer gastiert.

Schülerin Julia Träger (18) würde sich Gewalt von ihrem Partner nicht gefallen lassen: "Ich würde ausrasten und sofort gehen." Welche Hilfe- und Zufluchtsmöglichkeiten Betroffene in Anspruch nehmen können, zeigt ebenfalls eine Stellwand.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.