Ausstieg aus Rocker-Szene

Ein gewalttätiger Vater. Aufgewachsen im Umfeld der Rockerszene. Vater, Bruder, zahlreiche weitere Verwandte und Freunde schon zu höheren Haftstrafen verurteilt. Man müsse sich wundern, dass der Angeklagte bisher vorstrafenfrei geblieben war, meinte Oberstaatsanwalt Rainer Lehner.

Weiden. (rns) Der 25-Jährige aus dem nördlichen Landkreis Tirschenreuth war mit einer Fuhre Methamphetamin in der Nähe des Grenzübergangs Waldsassen erwischt worden und hatte "reinen Tisch" gemacht. Die 1. große Strafkammer belohnte diesen Schritt mit einem, für die Anzahl der Taten, milden Urteil: drei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe.

Von Juli 2011 bis Ende 2012 war der Verheiratete mindestens 17 Mal im Auftrag seiner Rocker-Kollegen über die Grenze gefahren und hatte jeweils 20, 30 und in einem Fall sogar 150 Gramm Crystal herübergeholt. Die Komplizen hatten das Rauschgift auf dem Asia-Markt bei Eger gekauft, es dann in einem Erdloch im Wald vergraben und dann den jungen Berufskraftfahrer mit der Abholung und Verbringung nach Deutschland beauftragt.

Im Dezember 2011 wurde er auch ein Mal mit 1200 Euro losgeschickt. Er kaufte 30 Gramm für 800 Euro, behielt das Restgeld und lieferte die Ware an den Besteller in Warmensteinach. Auch zwei Maschinengewehre, Marke Kalaschnikow, fanden durch den Angeklagten den Weg nach Deutschland.

Reinen Tisch gemacht

Dass er den "Cut" gemacht hatte und, trotz Drohungen gegen seine Familie und ihn selbst, aus der Rockerszene ausgestiegen war, bat Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall, bei der Urteilsfindung zu berücksichtigen. Sein Mandant habe wertvollste Hilfe bei der Aufklärung zahlreicher anderer Fällen geleistet. Auch Landgerichtspräsident Walter Leupold, Dr. Marco Heß und die beiden Schöffen anerkannten, dass sich der Mann aus "diesem Szenario von Menschen, für die Verrat das Schlimmste ist", selbst herausgelöst hatte. Ohne das vollständige Geständnis und die Aufklärungshilfe hätte leicht eine zweistellige Freiheitsstrafe herauskommen können, sagte Leupold. Andererseits müsse man die schlimmen Folgen der Droge Crystal sehen und die große Menge, für die der 25-Jährige verantwortlich zeichnete.

Dies hatte eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren, die Verteidiger Schmidtgall ursprünglich angestrebt hatte, von vornherein unmöglich gemacht. Zudem hatte Dr. Thomas Wenske dem Angeklagten volle Schuldfähigkeit und keine Drogenabhängigkeit attestiert. Das Gericht blieb sechs Monate unter dem Antrag des Staatsanwalts.
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.