Autor Erik Albrecht spricht trotzdem von den "heimlichen Revolutionären" - "Politik der ...
Die Generation Y geht nicht auf die Barrikaden

Die "Generation Y (why)" ist sein Spezialgebiet: Autor Erik Albrecht. Er sagt zum Beispiel: Qualifizierung und beruflicher Aufstieg bedeuten mehr Selbstverwirklichung, deshalb steige derzeit die Studierquote auf über 50 Prozent. Bild: sbü
(sbü) Erik Albrecht ist ein gefragter Mann. Seine Vorträge wollen alle hören. Unternehmer, Parteien, Behörden und viele andere wollen wissen, welche Generation da gerade heranwächst. Man nennt sie Generation Y ("Why") oder auch die Millenials. Zwischen den Jahren 1985 und 2000 geboren, wachsen sie derzeit in das Erwerbsleben hinein. Manches Klischeebild muss zurechtgerückt werden.

Wer bei der Generation der 15- bis 30-jährigen das Bild von Mediensüchtigen oder auch Drogenkonsumenten vor Augen hat , muss völlig umdenken. Eher das Gegenteil ist der Fall. Das zeigte Erik Albrecht in seinem Vortrag über sein gemeinsam mit Klaus Hurrelmann geschriebenen Buch "Die heimlichen Revolutionäre - wie die Generation Y unsere Welt verändert" sehr deutlich auf. Albrecht sprach in der OTH in Weiden auf Einladung des Bezirksverbands der Jungen Union Oberpfalz im Rahmen des 2. Oberpfälzer Zukunftskreises.

"Ideale sind schwierig"

"Diese Generation geht nicht auf die Barrikaden", so beschrieb der vielgefragte Buchautor zusammenfassend die Gruppe, über die er viel recherchiert hatte. Mehrfach spielte er im Vortrag den Orginalton repräsentativer Aussagen von jungen Erwachsenen ein. So zum Beispiel den Satz einer Politologie-Studentin "Ideale sind schwierig". Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass die heute 15- bis 30-Jährigen über viel mehr Informationen verfügen, als es bei ihrer Vorgänger-Generation der Fall war. "Man differenziert, weil man zu viel weiß" sagte der Buchautor. Am Beispiel der veganen Ernährung machte er diese Aussage deutlich. Für diese könne sich die Generation Y nicht engagieren, weil auch dort die Umweltbilanz nicht überzeugen könne.

Albrecht zeigte auch die Werteskala dieser Gruppe auf: "Ganz oben steht der sichere Arbeitsplatz, ganz unten viel Freizeit". Doch könne daraus keineswegs abgeleitet werden, dass diese Generation absolut leistungsorientiert sei. Aber Albrecht relativiert diese Skala wieder durch die Feststellung, dass die eigene berufliche Qualifizierung sogar noch über der Jobsicherheit stehe. Qualifizierung und beruflicher Aufstieg bedeuten mehr Selbstverwirklichung, deshalb steige derzeit die Studierquote auf über 50 Prozent.

Mit dieser "Ego-Taktik" wolle man sich viele Optionen offen halten. Die Arbeitswelt der Generation Y müsse außerdem folgende Anforderungen erfüllen: "Der Chef ist Partner und Coach, Leben im Beruf ist wichtiger als Work-Life-Balance und Projekte bieten Freiraum und Feedback". Konflikte sieht Albrecht auf diese Generation zukommen, wenn diese mit der heutige Controlling-und Managementwelt konfrontiert werde. Albrecht beschreibt die Welt, in der die Generation Y aufgewachsen sei, als "Welt der Krisen". Euro-Krise, Finanzkrise, Klimaveränderung, Fukushima, Hartz-IV sind einige Beispiele. Sie sei auch die erste Generation, die eher mit einem sinkenden Lebensstandard rechnen müsse. Das Leben würde eher als Bausatz mit laufenden Veränderungen ohne die Kontinuität der Lebensphasen früherer Generationen verstanden werden.

Geht nicht, gibt's nicht

Weil auch die Frage "Was bringt es mir?" im Vordergrund stehe, lehne die große Mehrheit ein politisches Engagement ab . Albrecht zeigte aber auch auf, dass die Generation Y "anders politisch ist". Abgelehnt würde "die Politik der Tagesschau" und die Mitarbeit in Parteien, weil die "großen gesellschaftlichen Probleme von den Politikern ohnehin nicht aufgegriffen werden". Doch 80 Prozent dieser Generation sei bereit, sich in örtlichen Vereinigungen politisch oder sozial zu engagieren. Zusammenfassend beschreibt der Autor die Generation Y mit den Sätzen "Geht nicht gibt's nicht, gutes Leben statt Wohlstand, offene Lebensentwürfe und die Sinnfrage ist der Kompass".
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