Balanceakt in der Bibliothek

Eine Menschenschlange oder ein Bücherwurm? Nach sechswöchiger Schließung stauten sich die Leser vor den neuen Ausgabe-Automaten der umgebauten Regionalbibliothek. Bild: Steinbacher

Vielleicht gibt's ja irgendwo im riesigen Bestand der Regionalbibliothek einen Ratgeber für Seiltänzer. Bei der Wiedereröffnung nach sechswöchigem Umbau hätten einige der Redner sicher gerne darin geblättert. Fast jede Ansprache gerät zum Balanceakt zwischen Lob für die Neuerungen und Kontroverse um die geplanten Sparmaßnahmen.

Beim Eingang stehen Sektgläser. Aber ungetrübte Feierstimmung kommt nicht auf. Hinter der Fassade geht vielmehr die Diskussion unvermindert weiter. Und das ist am Dienstag bei der Wiedereröffnung der modernisierten "Regi" ganz wörtlich zu verstehen. Hinter der neuen Glas-Fassade stehen Leiterin Sabine Guhl und "Pro Libris"-Chef Stefan Kunnert und sprechen noch lange mit den Vertretern der Stadt. Es geht um die Sparbeschlüsse, welche die Bibliothek noch mehr verändern könnten als der Umbau. Einen Ausweg findet erst einmal keiner. Immerhin auf einen kleinen gemeinsamen Nenner können sich alle Seiten einigen: Den Umbau bezeichnen alle Redner an diesem Tag als Segen.

Die "Regi" präsentiert sich seit Dienstag nicht nur an vielen Stellen aufgehübscht. Sondern nun auch mit automatisierter Ausleih- und Rückgabetechnik. Diese Neuerung sei insbesondere dem Stadtrat zu verdanken, der schon früh die finanziellen Mittel dafür bereitgestellt habe, betont Reiner Leibl. Der städtische Dezernent, man darf's unterstellen, unternimmt bei seiner Rede einen inneren Balanceakt. Er hatte im Stadtrat noch vor zu großen Härten in der neuen Satzung für die Bibliothek gewarnt. Nun aber vertritt er den Oberbürgermeister und verweist angesichts der, wie er formuliert, "vorzunehmenden Gebührenerhöhung" auf die "Nöte der Stadt": Geld sei knapp, er glaube aber dennoch, es werde sich eine "zukunftsweisende Lösung" finden. Auch Guhl lobt den Stadtrat - für die Investition in die neue Technik. Freilich nicht für die aktuelle Diskussion. Die sei auch für die Mitarbeiter belastend. Und trotzdem hätten sie Großes geleistet. Schließlich müssten sie für die neue Technik - neben anderem - 130 000 Medien neu etikettieren, inmitten von Staub und Presslufthammer-Lärm.

Tatsächlich liefen die Arbeiten für alle Beteiligten auf Hochdruck, teils noch bis Montag, berichtet auch Kunnert. Er fordert die Leser auf, der "Regi" gerade in dieser schweren Zeit treu zu bleiben - und setzt selbst ein Zeichen: Sein Architektur-Büro, das für den Umbau zuständig war, habe beschlossen, das Honorar an den Förderverein zu spenden. Dem Stadtrat, dem er sicher keine böse Absicht unterstellen wolle, bat er, doch noch eine gute Lösung zu finden. Das geht auch an die Adresse von Michael Bihler (CSU) und Philipp Beyer (Bürgerliste), die trotz der erwartbaren Kritik gekommen sind. Auch die zwei Stadträte betonten die schwere finanzielle Lage. "Die Zwänge sind groß." Aber jeder solle versichert sein, dass der Rat für den Erhalt der "Regi" sei.

Wieder so ein Balanceakt. Deutlich wird dagegen Doris Glonegger von der Landesfachstelle für öffentliches Bibliothekswesen. Die "Regi", sagt sie, "gehört zu den erfolgreichsten Bibliotheken in Bayern, in Deutschland". Höhere Gebühren oder Ausleih-Beschränkungen "halte ich für falsch", erklärt sie und erhält Zwischenapplaus. "Denn man bestraft hier die Bürger für ein Verhalten, das wir uns eigentlich wünschen."
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