Barclays kennt Millionär nicht

Ein goldenes Siegel prangt unter der Mitteilung der Barclays Bank London, dass 361 Millionen Dollar zur Überweisung an Wolfgang S. bereitstünden. Eine Juristin von Barclays Deutschland besah vor Gericht das Siegel - und schüttelte den Kopf.

(ca) "Barclays mit Apostroph - das gibt es nicht", sagte die Zeugin im Betrugsprozess am Landgericht Weiden. "Wenn wir unseren eigenen Namen nicht mehr schreiben könnten, würde es schwierig." Die Staatsanwaltschaft hatte ihr drei Schreiben aus dem Beweismaterial gefaxt. Sie habe diese an eine Spezialeinheit der Bank in London weitergeleitet: die Financial Crime Intelligence Unit. Die Antwort fiel knapp aus: "Wir haben die Dokumente geprüft und glauben nicht, dass sie echt sind."

Auch ein Direktor für das operative Geschäft bei Barclays Deutschland war mit dem Fall Wolfgang S. betraut. "Das wurde von den Fachabteilungen überprüft. Dabei wurde festgestellt, dass kein Konto unterhalten wird und wurde und auch keine Zahlungsanweisungen vorlagen. Unsere Bank pflegt keine Geschäftsbeziehungen mit Wolfgang S. Die Dokumente wurde nicht von der Barclays Bank ausgestellt." Auch den angegebenen E-Mail-Account gebe es nicht.

Klare Antworten. Den Verteidigern waren sie trotzdem zu dünn. Beide Bankmitarbeiter waren nicht selbst mit den Überprüfungen betraut, sondern gaben nur Erkenntnisse von Kollegen weiter. Anwalt Jörg Jendricke: "Satz mit x. Ich kann hieraus keine belastenden Momente erkennen."

Haftentlassung beantragt

Auch eine Übersetzerin, die an der OTH Wirtschaftsenglisch lehrt, zweifelte an der Echtheit: Das sei alles "very flowery", sehr blumig, formuliert. Sie wies auf Tippfehler hin. "Wenn es in den Schreiben über Beträge in diesen Höhen geht, kann ich von besserem redaktionellen Wert ausgehen. Jede Sekretärin würde ihren Job aufs Spiel setzen."

Verteidiger Jendricke fügte den 31 606 Seiten Prozessakten weitere 16 hinzu. Er stellte den Antrag, Wolfgang S. aus der Haft zu entlassen. Der Stand nach elf Prozesstagen mit fünf Zeugen (sechs kamen nicht) habe allenfalls einen hinreichenden, aber keinen dringenden Tatverdacht ergeben. Es bestehe keine Flucht- und Verdunklungsgefahr: "Mein Mandant hat zwei Töchter und eine Mutter in Aachen."

Jendricke hält es für unzumutbar, sich während der laufenden Verhandlung in die umfangreichen Akten einzulesen. Erst nach Prozessauftakt hatten die Anwälte "zwei Kombis voll Akten" geliefert bekommen. Zwei Angestellte und ein Azubi seien 81,5 Stunden damit beschäftigt gewesen, alles zu kopieren. "Da können Sie sich mal überlegen, wie lange ich brauche, um das zu lesen."

Die Hauptverhandlung würde unnötig verzögert. Als Zeugen ausfielen, sei eine "dreistündige Mittagspause" gemacht worden. Leupold wandte ein, dass man Zeugen schlecht auf Vorrat laden könne. Die Mittagspause fiel am Mittwoch gleich ganz aus. Gegen 15 Uhr gab Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf seine Stellungnahme ab. Er sah weiterhin einen dringenden Tatverdacht. "Man braucht sich doch nur vor Augen zu führen, dass von den Geldern, die ja geflossen sind, bis heute kein einziger Cent zurückgekommen ist."

Brief aus der Haft geschleust

Daraus ergebe sich Fluchtgefahr: "Es besteht schon die Gefahr, dass er sich in andere Länder absetzt." Auch Verdunklungsgefahr sah der Staatsanwalt: Immerhin sei es Wolfgang S. gelungen, aus der Haft Briefe an seine Mittelsmänner zu schleusen. Schnappauf wies den Vorwurf von sich, die Akten aus Spanien seien zu lange bei den Ermittlungsbehörden gelegen. Die Staatsanwaltschaft habe sie eine Woche gesichtet. "Und die Verteidiger wollen nicht in der Lage sein, die Unterlagen innerhalb von mehreren Monaten durchzusehen."

Fortsetzung folgt am Montag, aber erst um 10.30 Uhr. Die erste Zeugin hat abgesagt.
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