Bauer in der Zwickmühle

Landwirtschaftsdirektor Peter Gach, Erich Schieder, der über Jahrzehnte den Bayerischen Bauernverband in der Region leitete, sowie Pfarrer Herbert Sörgel (von links) diskutierten den Film "Sauacker". Bild: zpe

Das einzige, was in diesem Film auf dem idyllischen Bauernhof wächst, sind Schulden. Doch weil der Dokumentarfilm "Sauacker" charmant, witzig und ganz nah am Leben daherkam, bot er bei den "Weidener Filmgesprächen" kurzweilige Einblicke in die Landwirtschaft.

"Sauacker" ist ein Film, der sich vor allem an die Landwirte wandte. Die "Weidener Filmgespräche" wurden deshalb wegen der großen Resonanz - aus Platzgründen - gleich oben im Kinosaal geführt. Bei der Diskussion ging es darum, landwirtschaftliche Erzeugnisse besser zu honorieren.

Den Hof retten

Der Filmbeitrag schilderte die Bemühungen des 30-jährigen Jungbauern Philipp, den fast 300 Jahre alten Hof seiner Eltern neu zu gestalten. Sogar seine Beziehung setzt er aufs Spiel. Philipp will vor allem den Maschinenpark modernisieren. Vater Konrad ist skeptisch. Was die beiden verbindet, ist ihre Sturheit und der verzweifelte Versuch, den Hof um jeden Preis retten zu wollen.

Aber erlaubte die Scholle überhaupt, neue Konzepte zu verwirklichen? Der Weg, den Philipp einschlagen wollte, sei der grundlegend falsche, betonte Erich Schieder, langjähriger BBV-Kreisobmann. "Der hatte keine realistischen Ziele, wollte den Betrieb dennoch technisch aufrüsten." Schieder war als Diskussionspartner geladen. Er sollte aus Sicht des Altbauern sprechen. Für Philipp sprach Peter Gach, Landwirtschaftsdirektor am Landwirtschaftsamt. Die Diskussion leitete Pfarrer Herbert Sörgel. Dabei wurde erörtert, ob die traditionelle, bäuerliche Lebensweise noch zukunftsfähig sei.

Luftschlösser gebaut

Nach Ansicht Schieders hatte der Jungbauer, der in einem Stahlwerk arbeitet, überhaupt keinen bäuerlichen Berufsabschluss. Mit diesem Manko hätte er den Job im Stahlwerk auf keinen Fall aufgeben dürfen. "Philipp hätte dieses Einkommen schützen müssen." Dessen Vorstellungen von einer romantischen Landwirtschaft mit alten Stallungen seien Luftschlösser. Selbst dann, wenn er sie wirtschaftlich modernisieren wollte.

Auch Gach stellte die Betriebssicherheit in den Vordergrund. Er stelle fest, dass Philipps Herz am Hof hänge, ihm die Tätigkeit sichtlich Spaß mache. Aber als Betriebswirt müsse er ihm empfehlen, bei aller Blauäugigkeit das wirtschaftliche Spektrum sorgsam abzudecken.

Im Gespräch ging es um Biolandwirtschaft, die Streichung von Fördermaßnahmen, aber auch um TTIP - "unser größtes Problem", wie ein Besucher meinte. Kritisiert wurde auch der Börsenhandel von landwirtschaftlichen Produkten. Auf die Frage von Pfarrer Sörgel, warum in der Region Kühe nicht auf die Weide getrieben würden, wie in Oberbayern, hieß es, dies sei einerseits zu arbeitsintensiv. Andererseits aufgrund der hiesigen Weidemöglichkeiten - zu weit weg vom Hof - nicht durchführbar.
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