Bauernverband informiert zur Hofübergabe - Alles sollte geregelt werden
Ein "Kammerl" reicht nicht mehr

Hans Hiltel. Bilder: gf (3)
Wie schafft es eine Familie, einen Hof zu übergeben, ohne dass es hinterher zu Streitereien kommt? Das Thema brennt den Landwirten offenbar auf den Nägeln. Denn zur Veranstaltung des Bauernverbands in Altmannshof kamen statt der 70 angemeldeten Gäste locker mehr als 200.

Eine Hofübergabe sei eben ein einschneidendes Ereignis, stellte BBV-Kreisobmann Hans Meier fest. Sie solle auf jeden Fall immer im Guten geregelt werden, grundlegende Absprachen hätten frühzeitig zu erfolgen. Der Bayerische Bauernverband (BBV) werde sich auch künftig dafür stark machen, dass landwirtschaftlicher Grund und Boden unter bestimmten Voraussetzungen nicht der Erbschaftssteuer unterliege.

Experten vor Ort

Drei Experten hatte der Bauernverband eingeladen, den Agrarkundenberater der Sparkasse Amberg-Sulzbach, Hans Hiltel, zum Thema "Grundbuch", den BBV-Fachberater Simon Lösch zum Thema "Austragsleistungen" und BBV-Steuerberater Tobias Dirmeier, der sich mit den steuerlichen Aspekten einer Hofübergabe befasste. Das Grundbuch gebe Aufschluss über Grundstückseigentümer, dingliche Rechtsverhältnisse sowie Belastungen an Grundstücken, genieße öffentlichen Glauben und kann bei berechtigtem Interesse eingesehen werden, so Hans Hiltel. "Welche Austragsleistungen sind noch zeitgemäß?", so die Frage von Simon Lösch, dem BBV-Generationenfolgeberater, der selbst seit fast zehn Jahren als Landwirt tätig ist und durchaus wusste, worüber er sprach.

Anno 1898 sei formuliert worden, dass der Übergeber eine Behausung im Nebenzimmer erhalte, dass ihm bestimmte Mengen Korn, Kartoffeln, ein Mastschwein und einige Ster klein gespaltenes Holz zustehe, außerdem täglich ein Liter süße unabgenommene Kuhmilch.

Heute, so Simon Lösch, werden die Austragsleistungen pauschal festgelegt und der Leistungsfähigkeit des Übernehmers angepasst. Trotzdem sei es sinnvoll, nicht von einem "Kammerl", sondern von genau festgelegten Zimmern zu sprechen und gegebenenfalls eine "Wegzugsklausel" festzulegen, nach der der Übernehmer im Falle des Auszugs keine Ersatzanspüche geltend machen kann. Im notariell beurkundeten Übergabevertrag sollte jedoch alles detailliert aufgeführt sein, denn niemand wisse, wie lange die Harmonie unter den Generationen bestehen bleibt.

Pflege ist ein Thema

Ganz aktuelles Thema sei die Pflege. Früher hätten auf einem Bauernhof immer genügend Leute gelebt, die auch die Altenpflege übernehmen konnten, heute werde selbst ein großer Hof von zwei oder drei Personen bewirtschaftet, denen die Zeit fehle, sich um einen Pflegebedürftigen zu kümmern.

Hilfe vor der Hofübergabe biete der BBV, der vor der notariellen Beurkundung des Übergabevertrags eingeschaltet werden sollte. Eine derart fundierte Beratung gebe es nur beim Bauernverband und sonst nirgendwo. Steuerliche Aspekte einer Hofübergabe beleuchtete dann noch der Leiter der BBV-Steuergruppe Amberg, Tobias Dirmeier. Der BBV-Steuerberater erläuterte Steuerklassen und Steuersätze, Freibeträge, außerdem die Wertberechnung bei einer Hofübergabe. Es gebe genügend legale Möglichkeiten, dass eine Hofübernahme nicht mit steuerlichen Konsequenzen behaftet werde, denn das Ziel der Hofübergabe sei doch, den Übergeber im Alter abzusichern und den Fortbestand des Betriebes zu garantieren.
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