Beeindruckender Konzertnachmittag im Seltmann-Haus - Politische Dimension: Heile Welt contra ...
Operette erobert Weidener Publikum

(sbü) Verherrlichung des Soldatentums und des Kaisers einerseits, Liebesidylle und Aschenputtelgeschichten andererseits. Alles dies ist in den Operettentexten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs enthalten. Die "Musik am Nachmittag" im Rahmen der Max-Reger-Tage ließ die Operettenwelt in beeindruckender Qualität wieder auferstehen

Ein begeistertes Publikum, lang anhaltender Beifall und Zugaben der Künstler bewiesen es: Dieses Konzert war ein voller Erfolg. "Das Beste, das ich jemals in den Reger-Tagen gehört habe", war aus den vorderen Reihen zu hören. Auch der Satz: "Von diesen Künstler werden wir eines Tages noch viel hören." Eigentlich war der Saal im Maria-Seltmann-Haus zu klein, weil das Konzert ein noch viel größeres Publikum verdient hätte. Auch hatte die Stimme der Sopranistin Sina Wegener, insbesondere in den Koloraturteilen, so viel Stärke, dass sie auch die Max-Reger-Halle gut ausgefüllt hätte.

Sina Wegener als Sopranistin, Michael Seifferth als Tenor und Midori Itsuda am Klavier boten ein hochrangiges Kunsterlebnis, das die Besucher noch lange in Erinnerung behalten werden. Auch wer die Operette nicht gerade zu seiner Lieblingsmusik zählt, war von der Qualität der Aufführung begeistert. Schließlich machten es sich die Künstler auch nicht leicht.

Flucht in die Operette

Ihre Musikauswahl betraf zwar meist bekannte Lieder, aber vor allem auch solche, die eine Herausforderung für die Sängerstimme darstellten. So zum Beispiel die Arie der Adela "Mein Herr Marquis" aus der "Fledermaus" von Johann Strauss, beeindruckend dargeboten von Sina Wegener. Aber auch die Interpretation der "Brettl-Lieder" des Komponisten Arno Schönberg durch den jungen Tenor Michael Seifferth kann in diesem Zusammenhang genannt werden. Bei Midori Itsuda war stets zu spüren, dass sich die Inhalte der Texte ausdrucksvoll in der Interpretation am Klavier widerspiegeln.

Nicht nur Kunstgenuss allein sollte am Nachmittag vermittelt werden. Stadtarchivarin Petra Vorsatz machte dies in ihrer Begrüßung deutlich. Das Motto der diesjährigen Max-Reger-Tage "Zeitenwende - Zeitenende" galt auch für das Operettenkonzert.

Die Auswahl der Texte und der Operetten symbolisiert Zeitgeschehen während des Ersten Weltkriegs. "Du sollst der Kaiser meiner Seele sein" oder auch "Der Soldat, das ist ein Mann, der sich sehen lassen kann, stramm gestanden Brust heraus, nach Paris geht's grade aus" kennzeichnen Jahre des glorifizierten Heldentums und der nationalen Größe am Anfang des Ersten Weltkriegs. Dies gilt zum Beispiel auch für "alle Mädchen schwärmen sehr für das liebe, liebe Militär". Mit zunehmender Kriegsdauer und menschlichen Tragödien war aber eher die Ablenkung einer heilen Welt angesagt. Dafür stehen Operettentexte wie "Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist" oder "Bei jedem Walzerschritt, tanzt auch die Seele mit". Oder: "Irgendwann einmal kommt irgendwer von irgendwo her und macht dich glücklich".

Petra Vorsatz erinnerte auch daran, welche Bedeutung die Operette in der damaligen Zeit hatte. Dies machten die jungen Künstler auf beeindruckende Art und Weise nachvollziehbar, auch in Gestik und Mimik.
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