Bei "Issy" unten durch?

Ein Tunnel für Autos im Herzen der Stadt: eine "reizvolle" , gar "sehr gute Idee", meinen die einen. Die anderen fürchten die Kosten. Und ein Dritter protestiert gegen die Unterfahrung des Issy-les-Moulineaux-Platzes, weil's für ihn schlicht eine "optische Katastrophe" ist.

Vornehmlich in den Reihen der CSU ruft der Gedanke an die Untertunnelung des Issy-les-Moulineaux-Platzes Verzückung hervor. Reinhard Hese befällt eher Schnapp-Atmung beim Gedanken daran. Also wettert der SPD-Stadtrat in der Sitzung des Hauptverwaltungs- und Bauausschusses über einen "Luftschlossbau, den wir uns überhaupt nicht leisten können". Und auch gar nicht leisten sollten. Zumindest wenn es nach Hese geht: "Das ist doch eine optische Katastrophe im Herzen der Stadt. Oben flanieren die Bürger über den Issy-Platz und müssen auf Autos herabblicken, die aus dem Tunnel jagen."

Baudezernent Hansjörg Bohm beschreibt den Innenstadttunnel als "höchst komfortable Lösung am Issy-Platz". Wegen der hohen Baukosten - der Ideengeber selbst, Dipl-Ing. Hans Schindler, schätzt sie auf 12 Millionen Euro - kann dies für Bohm aber nicht die "erstbeste und auch nicht die nächstbeste Lösung sein".

Trotzdem spricht Hans Blum (CSU) von einer "reizvollen Idee": "Die Untertunnelung würde sich sicher gut machen. So etwas hat nicht jeder", argumentiert er. Allerdings bleibe die Frage, wie alles baulich und finanziell darstellbar sein wird.

Finanziell ist das nicht darstellbar, pflichtet Gisela Helgath (Grüne) dem SPD-Kollegen Hese bei. Und auch baulich sieht einer Probleme: Karl-Heinz Schell kritisiert die Steigung auf Höhe der Ausfahrt Weißenburgstraße von 13 Prozent. "Das ist wie ein sehr steiler Alpenpass", veranschaulicht Baudezernent Bohm den Anstieg, den es so in Weiden nicht gebe. "Doch. Am Fichtenbühl", tönt ihm Widerrede entgegen.

Knappes Geld und knackige Steigung hin oder her: SPD-Mann Josef Gebhardt hält den Tunnel dennoch für eine "sehr gute Idee". Also fordert er, dass die Realisation des Projekts geprüft werde. In eine ganz andere Richtung geht der Vorschlag von Parteikollege Alois Schinabeck: Statt die Autos in die Tiefe zu drücken, sollten Fußgänger einen Tunnel nutzen.

Am Ende wird nach großem Protest von Hese im Paket über den Fußgängerzonen-Testlauf und über die Überprüfung der Tunnel-Realisation abgestimmt. Das Ergebnis: Der Tunnel ist nicht vom Tisch. Stattdessen wird die Stadtverwaltung beauftragt, realistische Kostenschätzungen für den Bau einzuholen. Die Krux daran: Sogar Hese stimmte letztlich dafür, um nicht gegen den Fußgängerzonen-Testlauf zu sein.
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