Beim Opfer entschuldigt

Alle können von Erfolg reden: Der Staatsanwalt erreicht höhere Bestrafung, der acht Mal Vorbestrafte erreicht Bewährung und der zweite Angeklagte die Einstellung des Verfahrens.

Gegen ein Urteil von Jugendrichter Otmar Schmid hatten Staatsanwaltschaft und einer der Verurteilten Berufung eingelegt. Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Peter Frischholz empfand ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung, die ein acht Mal Vorbestrafter (davon vier Mal einschlägig) bekommen hatte, als "viel zu niedrig". Der zweite, zu sechs Monaten Verurteilte, wollte dagegen freigesprochen werden. Der von Rechtsanwalt Dominic Kriegel verteidigte 30-Jährige behauptete bis zuletzt, an den Tritten und Schlägen, die ein 22-Jähriger bei einer Partyveranstaltung in Grafenwöhr hatte einstecken müssen, unbeteiligt gewesen zu sein.

Erst ein Rempler

Im April letzten Jahres war es in der Stadthalle in Grafenwöhr nachts um 1.45 Uhr zu einer Schlägerei gekommen. Ein 22-jähriger Student hatte, ziemlich alkoholisiert, andere Gäste, darunter auch die Freundin eines 24-jährigen Ledigen angerempelt. Dieser schlug den Betrunkenen mit der Faust zu Boden - und dann traten mehrere Personen auf ihn ein. Unklar blieb, auch nach einem knappen Dutzend Zeugenaussagen, ob der zweite Angeklagte, ein 30-Jähriger aus Grafenwöhr, an den Tritten beteiligt war. Während sich ein junger Mann "hundertprozentig sicher" war, dass der Kraftfahrer "mindestens ein Mal" zugetreten hatte, sagten mehrere junge Frauen und Männer, dass sie keinen Schlag oder Tritt durch ihn gesehen hätten. Nach längerer Verhandlung stellten die Richter Reinhold Ströhle und Peter Werner das Verfahren gegen den Ledigen gegen Zahlung von 800 Euro Schmerzensgeld an das Opfer ein. Dessen Verletzungen waren nicht allzu schwer gewesen - und Tritte nachzuweisen, war nicht gelungen, obgleich eine Beteiligung an der Auseinandersetzung wahrscheinlich war.

Der in der ersten Instanz zu gnädig Verurteilte besann sich vor der 3. Jugendkammer - gut beraten von Rechtsanwalt Tobias Konze - eines Besseren. Er gestand seine Tat und entschuldigte sich beim Opfer.

Vater geworden

Da er seit wenigen Tagen Vater eines Kindes ist, feste Arbeit hat und dem Alkohol abgeschworen hat, ließen sich Frischholz und die Richter noch einmal davon überzeugen, dass er nun eine "günstige Sozialprognose" hat. Sie gaben, trotz der zahlreichen Vorahndungen, noch einmal "Bewährung". Die Strafe von zwei Jahren setzten sie für drei Jahre aus. Auch der 24-Jährige muss dem Opfer 500 Euro zahlen und zusätzlich eine Therapie wegen seines Hangs zum Alkohol und seiner Aggressivität machen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.