Beirat diskutiert Für und Wider von Schulschließungen
Fleißarbeit und Zweifel

Überraschender Wackelkandidat: Der Schulbetrieb im Altbau der "Hans Sauer" in Rothenstadt könnte nach einem Vorschlag der Verwaltung eingestellt werden. Bild: Steinbacher
In der Schule heißt das Fleißarbeit. Bis kurz vor Beginn der Sitzung des Schulbeirats hat Stadtplaner Friedrich Zeiß zusammen mit einem Helfer gewerkelt. Aufbauend auf dem Schulentwicklungsplan, hat er im Auftrag des Stadtrats noch einmal bei den sieben Grundschulen der Stadt Infos eingeholt, hat durchgespielt, wie sich Erhalt oder Schließung von Standorten auswirken würden. Entscheiden wird Zeiß zwar nicht - das macht der Stadtrat, wohl noch vor der Sommerpause. Eine Empfehlung hat Zeiß trotzdem: die Schließung der Gerhardinger- und des Altbaus der Hans-Sauer-Schule.

Das, was er bei der Vorstellung seines Berichts im Beirat vorträgt, ist eine Überraschung. Bislang schien neben der Gerhardinger- eher die Hans-Schelter-Schule auf der Kippe zu stehen. Tatsächlich sieht Zeiß auch hier ein kleines Fragezeichen, da weniger als 40 Schüler aus der unmittelbaren Nähe kämen, der Rest mit dem Bus zum Unterricht fahren müsse. Trotzdem sieht er in der anderen Variante mehr Vorteile.

643 freie Plätze

Die Betonung liegt bei ihm auf: Vorteile. Und die sind nicht nur finanzieller Natur. Derzeit, so rechnet der Stadtplaner vor, gebe es 1282 Grundschüler, aber 1925 Plätze. Macht eine freie Kapazität von 643. Und es sei nicht zu erwarten, dass die Schülerzahl künftig wesentlich steigt. Freilich, für Schwankungen bei den Zahlen brauche es immer einen Puffer an freien Plätzen. Aber da reichten 200, 300 Plätze. Hier ließe sich sparen. Trotzdem geht es im Vortrag längst nicht nur um Geld, auch wenn sich durch den Wegfall der "Gerhardinger" und des Altbaus allein Betriebskosten von geschätzt 92 000 Euro jährlich einsparen ließen - ganz abgesehen von Möglichkeiten für anderweitige Nutzungen.

Nähe zählt

Vielmehr sei wichtigstes Kriterium Wohnortnähe, fußläufige Erreichbarkeit. Und hier ließen sich mit seinem Vorschlag Verbesserungen, zumindest aber keine gravierenden Nachteile erreichen - per Neueinteilung der Sprengel. Im Neubau der "Hans-Sauer" hätten die Rothenstädter Kinder weiter eine Heimatschule. Es sei aber nicht ersichtlich, warum Schüler etwa aus den Naabwiesen und Teilen des Lerchenfeldes durch den derzeitigen Sprengel mit dem Bus nach Rothenstadt gefahren werden müssten statt eine nähere Schule zu besuchen.

Nicht zu schwere Nachteile hätte ein Aus der Gerhardingerschule. Ihr momentaner Sprengel befinde sich im Radius von zwei Kilometern zu anderen Schulen - also in dem Abstand, den der Gesetzgeber noch als ausreichend für Fußwege sieht. Die Kinder könnten künftig die Clausnitzer-, Hammerweg- und Albert-Schweitzer-Schule besuchen, die alle noch ausreichend Kapazitäten hätten. Selbst dann bliebe noch ein Puffer von rund 300 freien Plätzen.

"Natürlich ist das schwer zu verkaufen", sagt Zeiß, "aber die Argumente sind nachvollziehbar." Zumal es wichtig sei, jetzt zu handeln. Auch weil die besorgten Eltern, die regelmäßig im Amt anriefen, und die übrigen Schulen dann Planungssicherheit hätten. Weil die Stadt wüsste, wo zu investieren ist und wo nicht mehr. Weil die übrigen Standorte mehr Schüler hätten und so mehr leisten könnten, etwa Ganztagsangebote.

Wo bleibt Pädagogik?

Dabei kann sich Zeiß sicher sein, dass er für seine Fleißarbeit nicht nur gute Noten bekommen wird. Die Parteivertreter im Beirat loben zwar seine Mühen - Hans-Jürgen Gmeiner (CSU) etwa spricht von einem "super Diskussionspapier". Auch haben sich die Fraktionen zu dem Bericht noch nicht beraten. Dennoch zeigt sich bereits einige Skepsis. Alois Schinabeck (SPD) etwa moniert: "Für die Bildung unserer Kinder sollten an oberster Stelle pädagogische Gründe stehen - und da sehe ich keinen einzigen." Wie Schinabeck bezweifelt auch Prof. Dr. Theodor Klotz (Bürgerliste), dass der Zwang zu solchen Schritten besteht. Nicht einmal der Prüfungsverband habe Schließungen angemahnt. Angesichts der Tragweite einer solchen Entscheidung plädierte er für einen offensiven Umgang mit dem Thema, etwa in Form einer Bürgerversammlung.

Zumindest die Schließung des Altbaus hält dagegen Dr. Matthias Holl (SPD) für überlegenswert: "Warum nicht?" Doch erst müsse die Fraktion beraten. So gilt denn, was Bürgermeister Jens Meyer am Ende festhält: "Es ist noch nichts in Stein gemeißelt." Trotz Fleißarbeit - das Vorrücken der Vorschläge ist zumindest nicht gesichert. (Hintergrund)
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.