Berliner Graffitikünstler bringt den Lügenbaron ans Jugendzentrum und in ein Buch
"Ich zeichne mit der Spraydose"

Detailverliebt arbeitet der Graffiti-Künstler an seinem Werk. Ihm ist wichtig, dass jede Figur einen eigenen Charakter zeigt. Bilder: Steinbacher (2)
Er war einer der jüngsten Graffiti-Künstler in Westdeutschland. Mit 12 Jahren besprühte Felix Gebhart bereits mit damaligen Szenegrößen wie Duke und Fume die Wände. Am Weidener Jugendzentrum verschönerte der heute 39-Jährige eine vier Meter lange Wand. Sein Motiv ist keine unleserliche Buchstabenreihe, sondern eine Szene aus den Geschichten von Baron Münchhausen. Der Grafik-Designer hat sich auf Illustrationen spezialisiert: "Ich zeichne mit der Spraydose."

Sein Bild in Weiden ist Teil einer deutschlandweiten Serie. Auch in anderen Städten wie Luxemburg, Berlin und Wuppertal hat er Szenen der berühmten Münchhausen-Lügengeschichten gemalt. Sie dienen als Bebilderung für ein Buchprojekt. "Das wird ein ganz neues Genre, das ich so noch nicht gesehen habe."

Die Geschichten des Barons, der auf der Kanonenkugel ritt, sind legendär. Das Bild in Weiden stammt aus seinen Seeabenteuern. Münchhausen ist mitten auf dem Ozean auf einem Schiff und wettet mit dem Kapitän, dass sie bald auf wilde Tiere treffen werden. Denn sein Hund wittere Wild. Die Männer glauben dem Lügenbaron kein Wort. Doch dann angeln die Matrosen einen Hai, aus dessen Magen sie lebendige Rebhühner ziehen. "Ich wollte diesen Moment der Skepsis festhalten. Der Baron traut seinem Hund mehr als dem Kompass. Und wie so oft in seinen Geschichten triumphiert die Fantasie." Der Künstler wohnt in Berlin-Kreuzberg, bemalt Wände auf der ganzen Welt und arbeitet für große Magazine. In vier Tagen hatte er das monumentale Bild an der Außenwand des Jugendzentrums "durchgerockt".

Den Ort kenne er von seiner Weidener Freundin Heidi Süß. "Ich wollte ihm zeigen, welche Orte mich geprägt haben. Da war das Juz an erster Stelle. Hier hab ich meine Jugend verbracht", erzählt sie. Den gebürtigen Bochumer hat das Gelände gefallen. "Ich wusste, das ist ein guter Platz." An der Außenwand des Jugendtreffs ist das Sprayen legal, deswegen habe er auch nicht gefragt. Bedenken, dass das Bild übermalt wird, habe er nicht. Ein Sprüher aus der Stadt habe ihm gesagt: "Das ist so gut, das hält mindestens ein Jahr."
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