Bernd Dostler: Der alte Mann und der Baum

Er ist muntere 74 Jahre alt. Und mehr als sein halbes Leben begleitete ihn ein Baum. "Wir gehörten zusammen." Vor über 40 Jahren, als Bernd Dostler das erste Straßencafé in der Stadt Weiden vor dem "alten Anker" eröffnete, pflanzte er die japanische Zierkirsche, die prächtig gedieh und bald ein Markenzeichen fürs Café Dostler war.

Bernd Dostler und seine Frau Hildegard wollten nicht auf ihren Baum verzichten, als sie im Herbst 1980 das "Anker" räumen mussten, das dem großen Neubauprojekt "Ankerdurchbruch" wich. Ein Anruf bei Architekt Ludwig Wagner - und ein Kasten Bier für den Baggerfahrer - genügten, damit die Bauarbeiter den stattlichen Baum vom Anker hinüber ans neue Café Dostler in der Goethestraße versetzten. Dort kam auch das geliebte Glockenspiel ans Haus, dessen "Backe, backe Kuchen ..." seit nunmehr zwei Jahren nicht mehr zu hören ist.

Doch was nun in den vergangenen Tagen passierte, empört den Konditormeister: Kurz vor der Blüte wurde sein Baum, dessen Krone fast ins zweite Obergeschoss reichte, kurzerhand abgeschnitten - als Vorbereitung für den Bau der Stadtgalerie. Für Bernd Dostler war diese Baumfällaktion ein Frevel, denn: "Das war ja nicht mehr nur mein Baum. Er gehörte längst allen Weidenern, die sich über ihn und seine Blütenpracht freuten". Eine Anzeige bei der Polizei blieb erfolglos. "Die Beamten sagten, das ist eine private Sache." Deshalb hat sich Dostler eine Anwältin genommen.

"Für die Bürger" ließ er nun wieder eine große japanische Zierkirsche setzen. Nur wenige Zentimeter neben den alten Stumpf pflanzte am Freitag Garten Punzmann aus Windischeschenbach den Baum, der in über 25 Jahren mehrfach umgesetzt worden war. Zugleich sorgte Dostler für bunten Blumenschmuck auf der schmalen Rabatte in der Mohrenstraße. Täglich kommt er, um zu gießen. Wie lange Baum und Blumen bleiben dürfen? "Ich weiß es nicht."
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