Berufsschullehrer schlägt Alarm: Zu wenig Klassenzimmer für junge Flüchtlinge
"Im September droht Chaos"

Manfred Wichmann schlägt Alarm. "Mir graut vor September", sagt der Berufsschullehrer, der als Fachbetreuer für die Berufsschulpflicht von Asylbewerbern zuständig ist. Denn dann bräuchte die Europa-Berufsschule nach seinen Angaben etwa 8 bis 10 Klassenzimmer zusätzlich für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. "Aber die Berufsschule hat keine Räume mehr", schilderte er das Dilemma im Integrationsbeirat am Dienstag.

Selbst das Lehrerzimmer habe er seinem Schulleiter bereits für die Beschulung der jungen Asylbewerber abspenstig gemacht. "Wir bräuchten feste Räume für diese Schüler, aber die haben wir nicht." Auch die Berufsschule in Neustadt werde im Herbst ein Platzproblem haben. Wichmann rechnet zum Schulstart 2015/2016 in Weiden mit fünf Klassen für junge Flüchtlinge: Drei neue Eingangsklassen und zwei Vorklassen von heuer, die fortgeführt werden.

Für jede Klasse seien - aufgrund des stark unterschiedlichen Bildungsniveaus - zwei Zimmer erforderlich. Im Frühjahr 2016 dürften noch einmal zwei Halbjahresklassen dazu kommen. Für die würden ebenfalls vier Zimmer benötigt. Auch die Berufsschule in Neustadt werde im kommenden Herbst Platzprobleme haben, prognostizierte Wichmann.

Die neuen Räume sollten nach seinen Worten natürlich möglichst nahe bei der Berufsschule liegen, weil die Einteilung der Lehrkräfte sonst kaum zu bewerkstelligen sei. Ideal wäre - so Wichmann - ein derzeit leerstehendes Gebäude, nur 100 Meter Luftlinie von der Berufsschule entfernt, in dem drei Klassen Platz finden könnten. "Wenn wir Qualität liefern wollen, brauchen wir eine ordentliche Lösung. Sonst sehe ich für September das Chaos", bat Wichmann die Stadträte im Integrationsbeirat um Unterstützung.

Er rechnet im Herbst mit 60 bis 70 zusätzlichen Schülern in seinem Bereich. Die sollten natürlich entsprechend beschult werden, ist das Ziel von Wichmann, auch wenn laut Kultusministerium die Berufsschulpflicht ruhen könne. Er selbst hat durchwegs positive Erfahrungen mit den jungen Menschen aus Eritrea, Afghanistan, Somalia und anderen Nationen gemacht. "Sie sind hoch motiviert, diszipliniert, beteiligen sich rege und bedanken sich dafür, dass sie in die Schule gehen dürfen."

Stadt ist gefordert

Als Sachaufwandsträger sei die Stadt bei der Beschaffung weiterer Unterrichtsräume gefordert. Das Problem fehlende Klassenzimmer wurde laut Veit Wagner, Leiter des Integrationsbeirats, bereits an einem Runden Tisch diskutiert, an dem auch Leitender Rechtsdirektor Hermann Hubmann teilgenommen hat. Inwieweit die Stadt hier bereits aktiv geworden ist, sei ihm nicht bekannt.

Manfred Wichmann berichtete, dass Oberbürgermeister Kurt Seggewiß ihm gegenüber die Möglichkeit angedeutet habe, frei werdende Klassenzimmer in Grund- oder Mittelschulen zu nutzen. Letztlich sei aber noch alles offen.
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