Besondere Note fürs "Kepler"

Sigrid Bloch aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach wird Chefin am Kepler-Gymnasium. Damit tritt die 56-Jährige im August die Nachfolge von Rolf Anderlik (63) an. Bilder: Hartl/Götz
Lokales
Weiden in der Oberpfalz
09.05.2015
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Das gab es noch nie: Eine Frau wird Chefin an einem Weidener Gymnasium. Sigrid Bloch folgt auf Rolf Anderlik als Schulleiterin am "Kepler". Und auch an der Spitze des Elly-Heuss-Gymnasiums tut sich etwas.

Seine Lehrerkarriere führte Rolf Anderlik durch alle sieben Regierungsbezirke Bayerns. Endstation ist nun die Oberpfalz. Denn hier verabschiedet sich der Chef des Kepler-Gymnasiums nach sechs Jahren mit 63 zum Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Die Nachfolge steht fest. Ab 1. August wird eine Musiklehrerin das vornehmlich als "Mathematik-Hochburg" bekannte Gymnasium leiten: Sigrid Bloch. Auch am Elly-Heuss-Gymnasium wechselt die Führungsspitze: Für den Eschenbacher Anton Schwemmer kommt der Weidener Reinhard Hauer, der derzeit stellvertretend das Gymnasium in Neustadt leitet.

Sigrid Bloch, die künftige Kepler-Chefin, wirkt seit 2012 als stellvertretende Leiterin am Erasmus-Gymnasium (EG) in Amberg. Das ist die mit knapp 400 Jahren ältesten Schule der Oberpfalz. Zugleich aber zählt das sprachlich und humanistisch ausgerichtete Gymnasium mit etwa 490 Schülern (etwa die Hälfte davon Mädchen) zu den kleineren im Regierungsbezirk. Mit Blochs Wechsel wird also ihre Verantwortung steigen. Genauer gesagt: Sie wird sich mehr als verdoppeln.

Das Kepler-Gymnasium besuchen aktuell über 1100 Schüler, 70 Prozent davon sind Jungen. "Bei einer solch großen Schule spielt die Fachausrichtung des Leiters keine Rolle", erklärt Anderlik. Man komme ja zwischen all den Lehrproben, Abiturformalien und Staatsexamen nicht zum Unterrichten. Und was hält der Bad Abbacher von der Nachfolgerin? "Bisher kenne ich sie nur vom Telefon. Wir treffen uns bald bei einer Tagung." Da geht es bereits ums "Kepler" und das dort neu etablierte Kompetenzzentrum für Hochbegabte.

Weidener leitet "Elly"

Über die gute Autobahnverbindung wird Sigrid Bloch vom Landkreis Amberg-Sulzbach ruckzuck nach Weiden einpendeln. Näher hatte es sie da schon zum EG. Oder zum Max-Reger-Gymnasium Amberg, an dem sie einst vier Jahre das Internat geleitet hat. Am "Max Reger" hat die verheiratete Mutter von drei erwachsenen Kindern - mit Ausnahme von Erziehungszeiten - auch nahezu ihre ganze schulische Laufbahn verbracht. Studiert hat die Musiklehrerin an der Musikhochschule in München Klavier und Geige. "Ich spiele auch sehr gern Querflöte und habe einen Faible fürs Singen, gern auch in Chören." Das "Kepler" wolle sie erst einmal kennenlernen. "Bislang weiß ich nur, das ist eine sehr, sehr gut geführte Schule." Die neue Herausforderung, die ganze Verantwortung an einer Schule zu übernehmen, habe sie gereizt. Der Stellvertreterposten am Erasmus-Gymnasium müsse erst ausgeschrieben werden.

Über seinen Nachfolger Reinhard Hauer (56) vom Gymnasium Neustadt sagt der Chef des Elly-Heuss-Gymnasiums, Anton Schwemmer (64): "Wir kennen uns vom Sehen. Ich habe ihm bereits gratuliert." Hauer ist kein Unbekannter am "Elly". Der ehemalige "Kepler"-Abiturient unterrichtete bereits als Referendar und später als Angestellter an der Schule, zu der Zeit, als noch "Papa Schießl", wie die Schülerinnen einst Direktor Andreas Schießl nannten, dort das Sagen hatte. Weit über 20 Jahre wirkt der 56-jährige Deutsch- und katholische Religionslehrer nun schon insgesamt in Neustadt - mit Ausnahme von Stippvisiten an der Berufsschule Weiden sowie an einem Gymnasium in Spardorf (Erlangen). Seit 2012 ist er dort auch Stellvertreter des Schulleiters. Zum 1. August kehrt der gebürtige Weidener, der in seiner Freizeit gern mit der Frau im Verein das Tanzbein schwingt, als Chef zurück an das staatliche Mädchengymnasium.

"Das ist eine interessante neue Herausforderung", findet Hauer und spricht vom "Elly" als "besondere Schule, in der das Besondere auch gepflegt werden soll". Das kann mitunter sehr zeitintensiv werden, weiß Schwemmer. Nach 21 Jahren in der Schulleitung, 16 davon am Gymnasium in seiner Heimatstadt Eschenbach, 5 am "Elly", erzählt Schwemmer von der Terminflut auch an den Abenden und an Wochenenden: "Das ist schon anders als auf dem Land." Dafür schwärmt er von der guten Atmosphäre im Kollegium. "Auch der Umgang mit den jungen Damen hat Spaß gemacht." Dennoch sieht Schwemmer, der in den nächsten Wochen 65 Jahre alt wird, seinen Abschied vom "Traumberuf Lehrer im Augenblick mit einem größeren lachenden Auge" entgegen. Denn groß ist die Vorfreude des zweifachen Vaters auf die gemeinsame Zeit mit seinen drei Enkeln, auf die Waldarbeit im eigenen Forst, auf das Entspannen am Ufer des Schwemmerschen Weihers.

Anderlik: Leiser Abschied

Übrigens: Eine große offizielle Abschiedsfeier wird es für den Noch-Chef am Kepler-Gymnasium, Rolf Anderlik, wohl nicht geben: "Momentan plane ich nichts außerhalb des Kollegenkreises. Dafür bin ich nicht der Typ." Welcher Typ Anderlik ist? "Ich bin Mathematiker, ein Kopfmensch." Und bescheiden wirkt er. Im Ergebnis findet Anderlik, dass sechs Jahre am "Kepler" in seinen Augen zu wenig sind für eine große Abschiedssause: "Es war schön, aber jetzt ist es vorbei", sagt er typisch analytisch. Nun freue er sich schlicht darauf, etwas mehr zu reisen.

Im Elly-Heuss-Gymnasium dagegen steht der Termin bereits für die offizielle Verabschiedung Schwemmers: Am vorletzten Schultag ist es so weit. Und um auch die letzte Antwort im Personalkarussell der Schulen nicht schuldig zu bleiben: Die Stelle des stellvertretenden Leiters in Neustadt wird erst noch bayernweit ausgeschrieben.
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