Bienenfleißig Honorar berechnet

"Sowas macht man doch ehrenamtlich." Entsetzen und Entrüstung bei den Mitgliedern des Weidener Bienenzuchtvereins. Sie waren zahlreich zu einem Zivilprozess ins Amtsgericht gekommen. Der Kläger: ihr ehemaliger Vorsitzender.

(rns) Zehn Jahre hatte der 60-Jährige den Verein geführt. Jetzt verklagte er die Gemeinschaft auf Bezahlung von Architektenlohn, auf Honorar für gehaltene Vorträge, die Zusammenstellung von Unterlagen für Fortbildungen und anderes. Insgesamt möchte der Kläger noch 2490 Euro plus die Kosten für seinen Rechtsanwalt Bernhard Schlicht. Nach Differenzen, die sich an seinem Führungsstil und finanziellen Unregelmäßigkeiten entzündet hatten, musste der Vorsitzende im Januar letzten Jahres zurücktreten.

Stundensatz 75 Euro

Bereits früher, in der Zeit, als er noch als Vorsitzender fungierte, hatte der Architekt sich Honorare zu einem Stundensatz von 75 Euro plus Mehrwertsteuer aus der Vereinskasse genehmigt. Einmal, als gerade vier Stunden gearbeitet worden war, gewährte er sich einen Vorschuss von 400 Euro. Der Verein, vertreten durch den neuen Vorsitzenden mit Rechtsanwältin Elisabeth Merk, konterte mit einer Widerklage. Der Bienenzuchtverein fordert, dass der Weidener diverse Sachen, die dem Verein gehören, herausgeben soll. Außerdem soll er zu Unrecht ausbezahlte oder vereinnahmte Gelder zurückzahlen. Darunter auch Reisekosten, die er doppelt - dem Vernehmen nach sogar dreifach, beim Kreis-, beim Bezirks- und beim Landesverband - abgerechnet hatte.

Letzteres hatte er vor den Ermittlungsbehörden nach einer Anzeige zugegeben. Ein Verfahren gegen ihn war gegen Zahlung von Geld an einen gemeinnützigen Verein eingestellt worden. Auch den Mitgliedsbeitrag, nebst Rückbuchungskosten, schulde der Kläger dem Bienenzuchtverein noch, stellte Merk fest.

Richter Josef Hartwig machte in der Verhandlung am Dienstag deutlich, dass er keine "Architekten-typischen Leistungen erkennen" könne: etwa beim Erstellen von Unterlagen für die Schule des Verbands oder bei der Beantragung von Desinfektionsmittel-Zuschüssen des Freistaats oder beim Halten von Vorträgen. Dies seien "normale Aufgaben eines Vorsitzenden". Wohl seien bei der Beantragung von Kanalbaumaßnahmen Fachkenntnisse nötig. Jedoch sei eine Entlohnung an die Vereinssatzung gebunden und falle vielleicht auch in den Bereich des vielbeschworenen Ehrenamts.

Entscheidung am 7. Juli

Eine gütliche Einigung kam am Dienstag nicht zustande. Richter Hartwig wird am 7. Juli bekanntgeben, ob eine langwierige Beweisaufnahme folgt.
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