Blick hinter Chinesische Mauer

Mit breiter Brust: China-Experte Rodney Mantle zeigt am Schluss sein T-Shirt, das ein komplettes tibetanisches Alphabet abbildet. Bild: Bühner

Rodney Mantle ist als Mensch mindestens ebenso interessant wie das Thema seines Vortrags. Er sprach über China. Und über sein Leben. Beides war so spannend, dass es auch gut in einen Roman passen würde.

(sbü) Veit Wagner hatte den Referenten nach Weiden eingeladen. Ob jeder Besucher nach dem Vortrag von Rodney Mantle in der Volkshochschule auch gerne nach China reisen würde, blieb am Ende des Abends offen. Zu vielfältig war das Bild, das Mantle von China gezeichnet hatte.

"Vielfalt und Anpassung: Annäherung an China" - so lautete das Thema . Vor allem das unbekannte China sollte gezeigt werden. Doch zunächst berichtete der Engländer Mantle über sich selbst und sein ungewöhnliches Leben. Und darin spielt China eben eine große Rolle, vor allem in den späteren Jahren. "Geboren bin ich mitten im Krieg in London im Jahre 1943", begann er die Schilderung seines Lebens. Der Name seiner Schule "Dartford Grammer School" hörte sich zunächst wenig spektakulär an. Als Mantle jedoch sagte, dass er dort vier Jahre lang mit Mick Jagger in einer Klasse war, fiel war dies schon das erste Indiz für ein außergewöhnliches Leben.

Sprachenstudium an der Eliteuniversität Oxfort und Engagements als Fremdsprachenlehrer in England und Deutschland waren die Stationen vor der Redakteurszeit bei BBC von 1974 bis 1990. "In dieser Zeit habe ich fast die ganze Welt bereist, vor allem die kommunistischen Staaten." Danach gab es im Leben des Engländers fast nur noch China, bis heute, allenfalls mit kurzen Unterbrechungen.

Starke Gegensätze

Die meisten der 22 Provinzen und die 56 ethnischen Minderheiten in einem Land mit rund 10 Millionen Quadratkilometern und 1,4 Milliarden Einwohner präsentierte Mantle mit selbst aufgenommenen Bildern. Dabei zeigte er Landschaftsbilder zunächst auf den alten chinesischen Geldscheinen, dann mit seinen eigenen Aufnahmen. Wie sehr Mantle in China selbst integriert war, beweisen seine Tätigkeiten als Ausbilder und sogar als Prüfer für Fremdsprachen an mehreren Universitäten Chinas. Unter anderem bereitete er chinesische Studenten auf ein Auslandsstudium vor.

Die Zuhörer des Vortrags spürten, da spricht ein absoluter Insider. Mantle lobte den übergroßen Fleiß der Chinesen, zeigte aber auch die zahlreichen Gegensätze dieses Landes. Auf Bilder einer Bauerntoilette aus Bambusstangen folgten modernste Hochhausstädte mit zweistelligen Einwohnerzahlen. "China ist ohne Fahrräder nicht vorstellbar", berichtet Mantle. Er zeigte auch die Teile der Chinesischen Mauer, die von Touristen selten besucht werden. Vieles in China erscheint jedoch für Europäer fremd. Zum Beispiel, dass Studenten zu Beginn ihres Studiums in Uniformen militärische Übungen machen müssen - oder das "Tabu-Thema" der Unruhen auf dem Platz am Tor des himmlischen Friedens. Auch, dass Mao noch immer fast überall präsent ist, sogar auf den neuesten Geldscheinen.

Dennoch überwogen in Mantles Vortrag die beeindruckenden Bilder der Seidenstraße, der Wüste Gobi mit Kamelen, der Farbenpracht des chinesischen Nationalparks, des Wohlstands im Finanzzentrum Shanghai und der in kürzester Zeit errichteten U-Bahnnetze und Verkehrssysteme. Und dass Mantle absolut akzentfreies Deutsch spricht, fiel dann kaum mehr auf.
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