Bloß nicht zu viel der Ehre

Ehre, wem Ehre gebührt. Aber wem gebührt sie denn nun? Das fragte sich der Sportbeirat in seiner letzten Sitzung unter Vorsitz von Bürgermeister Lothar Höher. Die Antworten gerieten zur Haarspalterei.

Dabei ist die Ausgangslage ganz klar: Da gibt es zum einen die Sportförderrichtlinien, nach denen Sportler von der Stadt geehrt werden, wenn sie für einen Weidener Verein starten, der im Stadtverband für Leibesübungen beheimatet ist. Zum anderen gibt es aber auch viele Sportler, die als Weidener Spitzenleistungen in einem anderen Verein erbringen. Sie zu ehren, ist nach den aktuellen Richtlinien nicht möglich. Also müssen sie geändert werden, befand die Verwaltung - und Lothar Höher befürwortete den Vorschlag: "Denn wenn ein Weidener beim FC Bayern München Tore schießt, ist er sicher nicht mehr Mitglied bei einem Weidener Verein, aber dennoch einer Ehrung würdig."

Ein Ehrenteller reicht

Herbert Tischler, Vorsitzender des Stadtverbandes, regionalisierte die Sachlage und verwies auf die beiden im Sachstandsbericht genannten erfolgreichen Tennisspieler. Einer davon spiele für Amberg. "Von dem Verein, für den er erfolgreich startet, steht er in der Presse, von ihm wird er auch geehrt. Denn für ihn bringt er Leistungen. Da hat Weiden doch gar nichts davon." Warum also soll die Stadt ihn ehren, nur weil er vielleicht im näheren Umkreis wohnt? Obwohl, räumt Tischler ein, ein Ehrenteller sei eventuell schon drin. Deshalb aber gleich die Sportförderrichtlinien zu ändern, nicht.

Das sah Hans Sperrer (CSU) ähnlich: "Ich gehe davon aus, dass ein Sportler aus Weiden, der anderswo erfolgreich ist, auch dort geehrt wird." Wenn er aber auch noch obendrein Mitglied in einem Weidener Verein ist? Dann, ja, dann wird's kompliziert.

Genau für diese komplizierten Einzelfälle soll die Richtlinie ja geöffnet werden: "Das ist kein Muss, das ist nur eine Kompetenzerweiterung. Sie als Sportbeirat entscheiden nach der Änderung der Richtlinie, wer für die Ehrung infrage kommt", versuchte Höher zu erklären.

Philipp Wolf zum Beispiel. Der Spitzenschwimmer ist so erfolgreich, dass die Trainingsmöglichkeiten für ihn in Weiden erschöpft sind. Er musste zu einem anderen, größeren Verein wechseln, um voran zu kommen. "Er kann schlicht nicht mehr für Weiden starten", wusste Gertraud Greiner. Ehren wollte sie ihn aber trotzdem. Zumindest, bis sie vernommen hat, dass es sich bei Wolf nicht um einen Weidener, sondern um einen Altenstädter handelt. "Ja, dann ...", überlegte Greiner, bis ihr ein ungeduldiger Höher ins Wort fiel: "Wir ehren ja auch einen Max Reger. Und der ist aus Brand."

Teufel steckt im Detail

Das überzeugte alle Mitglieder, bis auf Karl-Heinz Schell. Dem SPD-Stadtrat waren die neuen Formulierungen zu schwammig: Wie ist denn Weiden und Umgebung definiert, wollte er wissen. Oder warum muss jemand nur Vereinsmitglied in Weiden sein, vielmehr müsse der Sportler doch speziell in dem Verein Mitglied sein, der die Sportart anbietet, in der er anderswo erfolgreich ist.

Also stimmte Schell als einziger dagegen, eventuell Einzelpersonen für Ehrungen vorzuschlagen, die anderswo Spitzenleistungen erbracht haben, aber Mitglied bei einem Weidener Verein sind oder ihren Wohnsitz in Weiden und Umgebung haben.
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