Blutbad: 53 Stiche und Schnitte

Was in Schnaittenbach geschah, glich einer qualvollen Hinrichtung. Das Opfer erlitt, wie das Amberger Schwurgericht seit dem dritten Prozesstag weiß, 53 Stiche und Schnitte. Angeklagt: Der aus Weiden stammende 47-jährige Ehemann der Mutter dreier Kinder.

28 Verletzungen hatte der Leitende Oberstaatsanwalt Harald Riedl in seiner auf Mord lautenden Anklageschrift genannt. Doch es waren, wie sich jetzt verdeutlichte, nur die wesentlichsten. Als die Strafkammer den über zwei Stunden lang referierenden Rechtsmediziner Dr. Stefan Seidl aus Erlangen hörte, wurde offenkundig: Die 38 Jahre alte Mutter dreier Kinder hatte in der Nacht zum 11. Februar letzten Jahres 53 Blessuren von ihrem 47-jährigen Ehemann mit mehreren Messern zugefügt bekommen. In der Summe führten sie laut Seidl zum Tod durch Verbluten.

Der Facharzt hatte die Obduktion in Erlangen geleitet. Das Ergebnis schilderte er in Bildern. Sie waren für alle, die im Gerichtssaal saßen, nur schwer zu ertragen. Der Angeklagte wandte sich ab. Er mochte die Aufnahmen nicht sehen. Aber hören musste er, was Professor Seidl referierte. Wesentlich dabei: Die Frau war von mehreren Messerklingen im Gesicht, am Oberkörper, Bauch und Rücken getroffen worden. Der Übergriff begann, als sie noch vor ihrem Ehemann stand. Dann sank die 38-Jährige im Wohnzimmer zu Boden. Was dann vor sich ging, war ein Blutbad der übelsten Art.

Blutspuren überall

In einem weiteren Teil seines umfangreichen Gutachtens wandte sich Dr. Seidl den in mehreren Wohnräumen gesicherten Blutspuren zu. Erkenntnis dabei: Es gab kaum ein Möbelstück, das keine Anhaftungen hatte. Sie wurden überdies an vielen Wänden gefunden. Einiges an den Schilderungen des Rechtsmediziners passte nicht zu dem, was der Beschuldigte den Richtern erzählt hatte. Als gesichert aber gilt, dass das Opfer die Gefährlichkeit der Attacke erkannt und sich massiv gewehrt hatte. "Ich gehe davon aus, dass die Frau zuerst am Kopf getroffen wurde", sagte Seidl.

Die Auseinandersetzung war allem Anschein nach sehr einseitig. Bei dem Angeklagten wurden Hautrötungen, kleinere Einblutungen und eine Art Rissverletzung am Arm festgestellt. Ob diese Risswunde von einem sogenannten Teppichmesser stammte, das seine Frau nach Angaben des 47-Jährigen benutzte, ist fraglich. Weiter ungeklärt bleibt, ob die 38-Jährige tatsächlich - wie ihr Mann behauptet - ein Küchenmesser unter einem Sofakissen hervorzog und ihn damit zu Beginn der Auseinandersetzung bedrohte.

Couch in die Dienststelle

Die Amberger Kripo ließ bei ihren Ermittlungen nichts unversucht, um Details aufzuklären. Aus der Wohnung an der Rosenbühlstraße in Schnaittenbach wurde eine Couch samt dazugehöriger Ottomane (Sitzbank) zur Dienststelle nach Amberg gebracht, wo sie ein Sachverständiger des Landeskriminalamts München genau untersuchte und Versuche hinsichtlich der Trennbarkeit beider Möbelstücke einleitete. Im Rahmen ihrer Spurensicherung gingen die Fahnder noch einen Schritt weiter. Sie ließen Teile des Spanplatten- und Teppichbodens aus dem Zimmer, in dem das Verbrechen geschah, entfernen und ebenfalls durch einen Experten des Kriminalamts prüfen.

Aussage falsch

Dazu gab es einen besonderen Grund. Der 47-Jährige behauptet bis heute, er habe eines der von ihm verwendeten Küchenmesser in den Boden gerammt.

"Dabei ist die Klinge abgebrochen", hatten die Richter bei seiner Vernehmung gehört. "Doch das", sagte nun der LKA-Gutachter Manfred Geiger, "kann ausgeschlossen werden." Mit anderen Worten: Weder der Teppichbelag noch die Spanplatten trugen Spuren einer Messerklinge. Sie muss auf andere Weise vom Griff abgebrochen sein.

Weidener entschuldigt sich

Unterdessen ist Ruhe eingekehrt im Gerichtssaal. Der aus Weiden stammende 47-Jährige braust nicht mehr auf, er hört zu, hat sich für verbale Entgleisungen am ersten Prozesstag entschuldigt. "Haben Sie Ihre Medikamente genommen?", lautete am Freitag eine Frage der Kammervorsitzenden Roswitha Stöber. Der Mann nickte. Auch seine Zigarettenpausen bekommt er.
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