Boshaftigkeit sorgt für Vergnügen

Kriminalhauptkommissar Bruno Wächter (Maik Staeck) ermahnt Bibiane Ehrlicher (Alexandra Lukas), die erste Frau des Verstorbenen, die Ermittlungen nicht zu behindern und weniger Alkohol zu trinken. Bilder: Kunz (3)

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Zugegeben: Pack ist vielleicht der falsche Begriff, umfasst die Gesamtsituation aber schon ganz gut. Bei den Streithanseln handelt es sich nämlich um frischgebackene Witwen. Und der Treibstoff ihrer Aversionen sind Stutenbissigkeit und der Streit ums Erbe.

Am Ende halten sie aber wieder wie Pech und Schwefel zusammen. Irgendwie und sowieso. Sonja Balk schafft es bei ihrer "Witwenalarm"-Interpretation, zusammen mit ihren fünf Protagonistinnen, eine Botschaft zu verbreiten. Nämlich die, dass Frauen, so kotzbrockig und niederträchtig sie auch sein mögen, eine schlagkräftige Einheit bilden können. Wenn's nur darauf ankommt.

Gute Pointen gesetzt

Doch bis es so weit ist, ziehen die "Lustigen Konrader" alle Register von Boshaftigkeit und Können. Und der Zuschauer hat das ultimative Vergnügen dabei. Perfider Humor vom Feinsten, nicht unter der Gürtellinie, sondern mit Witz und Intelligenz. So hat Walter G. Pfaus eine Handlung ausgeheckt, die auch der Regie kräftig Anlass gibt, für komische Momente zu sorgen. Dabei setzt Sonja Balk die Pointen routiniert sicher.

Tod kommt in der Sauna

Am Samstagabend feierte das Stück im Pfarrheim St. Johannes Premiere. Im Mittelpunkt steht ein Witwentreffen. Anlass ist der Tod von Karl Gustav Ehrlicher. Zu Lebzeiten hat der Mann nichts ausgelassen. Er war vier Mal verheiratet. Zur fünften Hochzeit war es nicht mehr gekommen. Er starb völlig unerwartet in der Sauna. Eine erste Untersuchung ergab, dass die Todesursache vermutlich ein Herz-Kreislaufversagen war. Doch Polizeihauptkommissar Bruno Wächter (Maik Staeck) zweifelt an dieser Version. Er glaubt an Fremdverschulden und gibt den Leichnam zur Obduktion.

Laut Testament sollen alle ehemaligen Frauen nach seinem Tod zusammenkommen. Außerdem wird jeder Witwe eine Aufgabe übertragen. Wer seine zugeteilte Aufgabe nicht übernimmt, wird vom Erbe ausgeschlossen. Katharina Lang spielt die brave und unauffällige Geliebte Silvia Gold, die den Heiratsantrag des Verblichenen zu dessen Lebzeiten gleich drei Mal abgewiesen hat. Rita Dineiger zeigt ebenfalls wenig Interesse an der Situation. Sie turtelt lieber, wie schon all die Jahre, mit dem verschmitzten Butler Valentin (Heiner Balk). Ulrike Troppmann gibt mit amtlicher Correctness die Notarin Minder.

Und da sind wir schon bei den drei Triebfedern der Ereignisse. In der Rolle "Ihrer Durchlaucht" Andrea von Hageler, einer resoluten Möchtegern-Adligen niederen Ranges, gibt Sabine Zenger die piekfeine Dame und gestrenge Gattin und tritt dabei in alle Fettnäpfchen, die ihr Pauline (Heidi Holzer), Gattin Nummer vier, hinschiebt, wenn sie ihr an die Gurgel geht.

Bogen weit überspannt

Aber die Sickergrube zum Überlaufen bringt erst Gattin Nummer eins, Schnapsdrossel Bibiane (Alexandra Lukas), die Andrea von Hagelers respektlose Demütigungen nicht so ohne Weiteres hinnimmt. Guido von Hageler (Stefan Neubauer) bleiben nur noch Resignation und gelegentliches Aufbrausen, wenn seine Gattin den Bogen mal wieder weit überspannt.

Noch neun Vorstellungen

Wer am Ende wie viel vom Erbe abkriegt und ob Karl Gustav ermordet wurde, das erfährt, wer eine der kommenden Vorstellungen besucht. Der "Witwenalarm" wird nochmals aufgeführt am 17., 18., 24. und 25. April sowie am 2., 8., 9., 15. und 16. Mai, jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es in der Regionalbibliothek, bei "Stangl & Taubald" und an weiteren bekannten Vorverkaufsstellen.
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