Botschafter der "guten, alten Post"
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Weiden. (wd) Er wusste alles über "seine Post", die er als Kundenberater, Marketing-Experte und Pressesprecher über Jahrezehnte immer ins beste Licht zu setzen wusste. "Es hat sich alles geändert", meint Anton Kasseckert heute jedoch durchaus ernüchtert. Die "gute, alte Post", für die er immer gern als Botschafter unterwegs war, gibt's seit der Privatisierung nicht mehr.

Doch die Zerschlagung des einstigen Monopolisten musste er nicht mehr mitmachen. Kasseckert, der heute seinen 90. Geburtstag feiert, ging 1989 in den Ruhestand. 48 Dienstjahre hatte er bis dahin absolviert. In Schönbrunn bei Tachau geboren, besuchte er Bürger- und Mittelschule in Eger, begann bei der Post in Falkenau seine Ausbildung. Dann folgten Reichsarbeits- und danach Kriegsdienst sowie die amerikanische Gefangenschaft. Nach der Vertreibung kam er nach Weiden, wohin es seine Eltern verschlagen hatte. Mit seiner Frau Erna, die er in Kronach kennengelernt hatte, ist Kasseckert seit 65 Jahren verheiratet.

Beruflich ging's weiter und aufwärts bei der Post. Aus dem einstigen Post-Arbeiter wurde ein Diplom-Verwaltungswirt. Und eng verband er seinen Beruf mit seinem Hobby, dem Briefmarkensammeln. Erst 15 Jahre nach der Pensionierung war der Bestand, der zwei große Schränke füllt, geordnet. Und dennoch wissen weder er noch seine Familie, wie wertvoll die Sammlung ist, die "einige zig-Tausende" Marken umfasst. Es war für ihn immer selbstverständlich, seine Kenntnisse auch in den Briefmarkenvereinen einzubringen.

Als leidenschaftlicher Tachauer blieb er seiner Heimatstadt immer verbunden. Und darum gehörte er 1956 zu jenen, die die Partnerschaft mit der Stadt Weiden gründeten. Er brachte viele Erinnerungsstücke in die Sammlung alter Tachauer Kultur. Kasseckert war Geburtshelfer für das Heimatmuseum und über viele Jahre Organisator der Heimatkreistreffen. Seine Verdienste bei der Einrichtung der Tachauer Stube wurden mit dem Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten gewürdigt. Der begeisterte Bergsteiger und Sportler (natürlich auch beim Postsportverein) erwarb 33 Mal das goldene Sportabzeichen.

Heute drückt die Last der Jahre. Kasseckert belässt es beim Spaziergang durch den großen Garten am Hammerweg, schneidet Rosen und füttert Vögel. Der Schulterdurchschuss, noch in den letzten Tagen des Krieges erlitten, schmerzt. Sein Blick wendet sich immer mehr zurück in die Vergangenheit. Zum Geburtstag gratulieren neben Ehefrau Ernaund Tochter Gerlinde, die beiden Enkel sowie Urenkelin Sophie.
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