Brandheißer Brauch

"Flamme empor" heißt es hoffentlich in diesem Jahr wieder ohne besonders Vorkommnisse. Archivbild: nn

Rauchwolken hinter dem Media-Markt. Diese Meldung löste im vergangenen Jahr einen Feuerwehreinsatz aus. Unnötig. Denn der Rauch stammte von einem Johannisfeuer - und war völlig ungefährlich.

Weiden. (ps) Ganz ungefährlich für Mensch und Tier sind die lodernden Flammen aber nicht immer. Damit sie nicht zur Gefahr werden, gibt es einiges zu beachten. Was, das erklärt Stadtbrandrat Richard Schieder.

Es kommt immer wieder mal vor, dass arglose Zeitgenossen den Rauch eines Johannisfeuers falsch interpretieren und die Feuerwehr umsonst alarmieren. Macht Ihnen das schwer zu schaffen?

Richard Schieder: Grundsätzlich rücken wir lieber einmal zu viel aus, als einmal zu wenig. Etwa alle drei bis vier Jahre kommt es zu so einem falschen Alarm.

Wie lässt sich das verhindern?

Schieder: Eigentlich sollte jeder, der ein Johannisfeuer organisiert, dies beim Ordnungsamt in der Stadtverwaltung anmelden. Die Sachbearbeiter dort verständigen dann Polizei, Feuerwehr und die Integrierte Rettungsleitstelle, damit die bei einem Alarmanruf Bescheid wissen. Theoretisch wäre es natürlich möglich, dass es in der Nähe eines Johannisfeuers tatsächlich zu einem Brand kommt. Aber dann ist der Veranstalter haftungstechnisch auf der sicheren Seite, wenn er das Feuer ordnungsgemäß gemeldet hat.

Ist das ein großer bürokratischer Aufwand?

Schieder: Nein, überhaupt nicht. Ein Telefonanruf im Ordnungsamt genügt.

"Wasser marsch" hieß es auch beim Johannisfeuer 2014 in Döltsch wegen Funkenflugs. Damals lief alles glimpflich ab. Was sollten die Verantwortlichen im Vorfeld beachten, um eine Gefährdung auszuschließen?

Schieder: Der Abstand zum Wald sollte mindestens 100 Meter betragen, zu leicht entzündlichen Stoffen mindestens 25 Meter. Das gilt meiner Ansicht nach auch für Gebäude, obwohl hier laut Verordnung nur 5 Meter vorgeschrieben sind. Und bei starkem Wind darf das Feuer gar nicht entzündet werden - eben wegen des Funkenflugs.

Ab heute, Freitag, lodern 10 Tage lang in Stadt und Land Johannisfeuer. Ist die Feuerwehr da überall vor Ort?

Schieder: In den Gemeinden im Umland ist die Feuerwehr meistens mit eingeladen. In Weiden geht das nicht wegen der vielen Johannisfeuer. Es ist aber auch nicht vorgeschrieben.

Gab es in Weiden schon mal den Fall, dass ein Johannisfeuer ein Haus in Brand gesetzt hat?

Schieder: Meines Wissens nicht.

Der Landesbund für Vogelschutz warnt, dass sich Igel, Vögel und andere Wildtiere gerne in den aufgeschichteten Holzhaufen ansiedeln und dann in den Flammen qualvoll verenden. Wie lässt sich das vermeiden?

Schieder: Es stimmt, wenn der Holzstapel länger vor Ort ist, nisten sich da gerne auch Schlangen oder Eidechsen ein. Der LBV empfiehlt deshalb, einen Stapel, der schon einige Wochen gelegen ist, kurz vor dem Feuer noch einmal umzuschlichten. Dann können die Tiere flüchten.

Muss ein Johannisfeuer unbedingt bei der Behörde angemeldet sein?

Schieder: Leider ist das nicht mehr Pflicht. Aber es empfiehlt sich dringend. Sonst könnte es sein, dass der Veranstalter im Falle einer Fehlalarmierung der Feuerwehr auf den Kosten sitzen bleibt.

Worauf ist noch zu achten?

Schieder: Ganz wichtig ist, dass beim Entzünden des Feuers nicht mit leicht entzündlichen Stoffen - wie zum Beispiel Benzin - hantiert wird. Das ist hochgefährlich. Da kommt es leicht zur Verpuffung und zu einer gefährlichen Stichflamme. Von solchen Fällen kann man immer wieder in der Zeitung lesen.

Gab es in Weiden schon mal so einen Fall?

Schieder: In meiner Amtszeit glücklicherweise nicht.
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