Brennpunkt Schwarzwild: Die Wildsau passt sich rasch an

Die Wildsau sei kein Problemtier, sagte der Wildbiologe Niels Hahn von Wildlife Consulting bei der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften in Paulsdorf. Nur sei nicht ausgeschlossen, dass Wildsauen für durchaus größere Schäden - Gefahr für Leib und Leben sowie Verwüstungen in Feld und Flur - verantwortlich seien.

Nicht ganz auszuschließen sei, dass die Schweinepest eingeschleppt und verbreitet werde. Dieses Risiko stufte Hahn jedoch als sehr niedrig ein. In Polen, Litauen oder Estland sei die Schweinepest nicht ausgerottet. Kontaminiertes Material könnte illegal entsorgt werden, verseuchtes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Erzeugnisse entlang des Fernstraßennetzes die Schweinepest transportieren. Auch über Jagdtourismus und mitgebrachte Trophäen sei die Verbreitung möglich, ebenso über den direkten Kontakt mit infizierten Wildschweinen. Als "vielfach verheerend" bezeichnete er die Unfallfolgen, wenn ein Auto und ein einige hundert Kilo schwerer Keiler zusammenstießen. Pflüge eine Rotte Wildschweine ein Naturschutzgebiet um, "ist es dort mit der Idylle und dem Naturschutz vorbei".

Wildschweine breiten sich laut Hahn immer mehr in Siedlungsgebieten aus, die "Sauen nutzen das reichhaltige Nahrungsangebot in Hausgärten gerne". Vor 35 Jahren seien knapp 3000 Wildschweine zur Strecke gebracht worden, im letzten Jahr fast 70 000: "Aber trotzdem hat man den ansteigenden Populationstrend nicht in den Griff bekommen." Natürliche Feinde der Wildschweine wie Wolf, Bär oder Luchs gebe es in Deutschland nicht, die Lebensbedingungen seien ideal, Nahrung sei im Überfluss vorhanden, ebenso sichere Rückzugsräume wie Sturmwurfflächen oder dichte Maisfelder.

Schnell passe sich das Wildschwein wechselnden Lebensbedingungen durch zusätzliche Population an, auch Defizite bei der Jagd würden zur Vermehrung beitragen. Bachen würden geschont, der Abschuss von Frischlingen lohne sich kaum noch, wenn die Kosten der Trichinenschau gegengerechnet werden. Niels Hahn stellte klar, dass nicht die Wildschweine das tatsächliche Problem seien, "sondern der Mensch, wie er die Reduzierung der Sauen angeht". Untereinander kommunizieren "egoistische" Jäger nicht, bei gegenseitigen Schuldzuweisungen sei man schon großzügiger, kritisierte der Wildbiologe. (gfr)
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