Bruno Schirra über das Terror-Netzwerk "ISIS"
"Eine Bande von Massenmördern"

Wie weit ist der "globale Dschihad"? Bruno Schirra schilderte seine Erkenntnisse in der Buchhandlung "Stangl & Taubald". Bild: Otto
Bruno Schirra ist Nahostexperte, recherchiert seit Jahren vor Ort zu Islamismus und Terror. Dabei entstand sein Buch "ISIS - Der globale Dschihad", das der Journalist bei einer Lesung am Donnerstag in der Buchhandlung Stangl vorstellte. Im Titel spricht er ganz bewusst von "ISIS". Denn mit dem Begriff "IS" legitimiere man die Terroristen als Staat. "Sie verlangen von anderen Staaten, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Ich bin nicht dazu bereit, mit einer Bande von Massenmördern zu kommunizieren."

Die erste Stelle, die er aus seinem Buch vorliest, beginnt plakativ und drastisch. "Es dauert lange, sehr lange, einen Kopf abzuschneiden. Was treibt Menschen dazu, so etwas zu tun? Ich habe keine Antwort darauf." Wenn er sich den nahen Osten heute betrachte, frage er sich: "Was ist mit dem kosmopolitischen Alexandria passiert? Heute haben die Dschihadisten die Bewohner im Griff." Oder Bagdad, das sei einmal eine der strahlendsten Städte der Welt gewesen. Auch hier habe der barbarische Dschihad tiefe Spuren hinterlassen.

Selbst Europa sei keine uneinnehmbare Festung mehr. "8000 sind schon in den Krieg gezogen - Konvertiten, junge Frauen, Studenten", erklärt Schirra. Die Terroristen lebten unter uns. Die Flüchtlingsströme täten das ihre dazu.

Dennoch betont der Autor: "Europa ist nicht durch die Religion gefährdet, sondern durch den Terrorismus." Er habe viel Verständnis für die Menschen, die nach Europa kommen. "Ich würde das auch tun, wenn ich in großer Not wäre." Aber man dürfe nicht die Augen vor den Realitäten verschließen. Schirra hat außerdem reichlich Kritik an vielen seiner Kollegen im Gepäck. "Ich bin nicht auf Facebook. Ich hebe meinen Hintern hoch und fahre dort hin." Dabei gehe er auch große Risiken ein. Auch finanziell. "So eine Geschichte zu recherchieren, dauert zwei Jahre. Das kostet ein Vermögen, das viele Verleger nicht mehr bereit seien zu zahlen.
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