Bücher als wertvolle Begleiter

Karl May lag bei allen in jungen Jahren auf dem Nachttisch. Dann wählten (von links) Lothar Höher, Kurt Seggewiß sowie (von rechts) German Vogelsang und Sabine Guhl jeweils Literatur, die sie am stärksten fesselte. Da war alles dabei, wie die Zuhörer des literarischen Quartetts erfuhren: Mainstream-Autor Ken Follett ebenso wie Philosoph Hegel. Christoph Rolf (Mitte) moderierte den Abend bei "Stangl & Taubald". Bild: uz

OB Kurt Seggewiß liest gerne im Bett, Bibliothekarin Sabine Guhl am liebsten am Pool im Urlaub oder im eigenen Garten. Verleger German Vogelsang bevorzugt den Sessel, Bürgermeister Lothar Höher Esstisch und Terrasse. Jeder hat so seine eigenen Lesegewohnheiten. Dass Lesen bildet, das unterschreiben alle.

Die Buchhandlung Stangl & Taubald hatte am Donnerstagabend zum literarischen Quartett mit bekannten Persönlichkeiten eingeladen. Moderiert wurde die Veranstaltung von OTV-Studioleiter Christoph Rolf. OB Seggewiß erwies sich als Goethe-Fan. "Wenn man sich mit Johann Wolfgang von Goethe befasst, bekommt man eine Entwicklung mit, wie sich ein Mensch auch in der politischen Welt verändert."

Was ihn am Großmeister der deutschen Sprache fasziniere, sei die Tatsache, dass Goethe in der bürgerlichen Welt zu Hause gewesen sei. Er habe die wichtigen Strömungen miterlebt, habe Friedrich Schiller und Napoleon überlebt, deren Zeitgenosse er gewesen sei. Und: Goethe habe auch eine Verbindung zu Weiden gehabt. Immerhin sei er oft in Marienbad zur Kur gewesen.

Der "Faust" habe ihm aufgezeigt, dass das Gute das Böse brauche, um sich weiterzuentwickeln. Ein Lieblingsbuch hat Seggewiß nicht. Er lese Romane mit geschichtsträchtigem, gern spanischem oder französischem Bezug. Das Buch, das seine Jugend prägte: "Durch das wilde Kurdistan."

Sabine Guhls Lieblingsbuch ist brandaktuell: "Breaking News" von Frank Schätzing. Der Autor schildert darin sehr authentisch die Konfliktsituation zwischen Israelis und Palästinensern. Ein Buch sei in ihren Augen ein "Blick in die Zukunft." Gerade ist sie über Ken Folletts "Kinder der Freiheit", dem letzten Teil der Jahrhundert-Trilogie. Diesen Roman sollte ihrer Ansicht nach jeder lesen, der am Zeitgeschehen interessiert sei.

Geräusche stören

"Beim Lesen bestimme ich das Tempo, beim Fernsehen tut's ein anderer." Leider werde es ihr immer unangenehmer, bei Nebengeräuschen zu lesen. Das störe sie inzwischen. "Lesen ist wie Kopfrechnen."

Verleger German Vogelsang brachte sein Lieblingsbuch mit: "Schau heimwärts, Engel" von Thomas Wolfe. Dieses Buch habe ihn durch die 60er Jahre gebracht. Wolfe sei ein unglaublich guter Schreiber von Dialogen gewesen. Das Werk lebe von seiner Sprachgewalt und den plastischen Formulierungen. Vogelsang war immer "Vielleser". Früher habe er zehn bis zwölf Bücher pro Jahr verschlungen. Natürlich sei auch er mit Karl May groß geworden. Lesen sei für ihn etwas wie ein "sittlicher Auftrag unserer Gesellschaft". Vogelsang: "Wir sollten uns bilden, damit wir vorwärtskommen."

Lothar Höhers erstes Buch hieß "Der glückliche Löwe" und erzählt von einem Zirkuslöwen, der in die nächste Stadt spaziert. Später las er dann das "Kommunistische Manifest" von Karl Marx, Bücher von Lenin, Ketteler und Kolping. Gelandet sei er schließlich beim Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Sein Lieblingswerk aber ist "Don Camillo und Peppone". In Giovanni Guareschis Erzählungen spiegele sich die Situation Italiens nach dem Faschismus wider - noch intensiver als in den Filmen. Guareschi habe seine Figuren auf eine menschliche Ebene geholt. Auch er sei während des Kalten Krieges aufgewachsen, unterstrich Höher. So erklärt er auch seinen Spagat zwischen dem Glauben an den Kommunismus in jungen Jahren und dem Konservatismus im Alter. "Ich bin ein Stück weit Christdemokrat und Sozialdemokrat."
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