Bürgerinitiative diskutiert über kritischen Dokumentarfilm
Atom-Endlager: Sicher ist nur der Tod

Der Titel ist pure Ironie: "Die Reise zum sichersten Ort der Erde". Denn wie der Schweizer Regisseur Edgar Hagen in seinem Dokumentarfilm zeigt, gibt es kein absolut sicheres Atommüllendlager. Zum "Tag des besonderen Films" hatte diesmal die Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen Weiden-Neustadt ins Neue-Welt-Kino eingeladen. Beim anschließenden Filmgespräch im Foyer tauschten sich die Besucher mit den Teilnehmern der Gesprächsrunde - Hilde Lindner-Hausner und Andreas Schlagenhaufer (beide BI) sowie Dr. Bertheide Nickl (IPPNW) und Brigitte Artmann (NTW) - aus.

Artmann, Referentin für Feuerwehr und Katastrophenschutz der Stadt Marktredwitz, vertrat die "Nuclear Transparency Watch" (NTW). Sie ist Gründungsmitglied dieses internationalen Netzwerks mit Sitz in Brüssel und Paris. Sein Ziel ist Transparenz in nuklearen Angelegenheiten. Artmann arbeitete ein Jahr lang am Report "Katastrophenschutz in Europa" mit. Im Film selbst tritt ihr schwedischer Kollege Johan Swahn auf, der die NTW-Arbeitsgruppe "Endlagersuche" leitet. Er ist zuständig für Kernkraftprüfung im Verband der schwedischen Umweltorganisationen.

Kupferbehälter rosten

Das schwedische Endlager am AKW Forsmark liegt an der Ostsee 500 Meter tief unter dem Meeresspiegel. Sicherheit über die nächste Eiszeit hinaus sollen Kupferbehälter um den hochradioaktiven Inhalt schaffen. Ein Gutachten gibt jedoch zu bedenken, dass die Kapseln rosten. Die Schweiz will unter bewohntem Gebiet endlagern und hat Probleme mit Grundwasserströmen, China sucht noch, Amerika ist am Yucca-Mountain gescheitert. Wolfgang Ehmke, Chef der BI Lüchow-Dannenberg, erklärt, warum Gorleben und Salz sich nicht dafür eignen, Metallfässer einzulagern. Brigitte Artmann: "Die Reise zum sichersten Ort der Erde ist im Film und in der Realität erfolglos. Sichere Atommülllagerung für eine Million Jahre ist unmöglich. Die Katastrophe ist vorprogrammiert."

Rund um den jüngsten Vulkan in der Oberpfalz gibt es gleich drei mögliche Endlager-Standorte: bei Marienbad in Tschechien, im Oberpfälzer Wald und im Fichtelgebirge. Hilde Lindner-Hausner von der BI warnt: "Jeder Tag, an dem auf der Welt noch Atommüll produziert wird, ist ein Tag zu viel." "Der Film zeigt ganz deutlich die intensive Endlagersuche von Atommüllexperten mit dem Ziel, mit der Kernenergie weiterzumachen", findet Sonja Schuhmacher vom Bund Naturschutz Weiden. "Man hat die Kernkraft etabliert in dem Bewusstsein, dass die Endlagerfrage nicht zu regeln ist."

Kritik an Siemens

Dr. Heidi Nickl von IPPNW verweist darauf, dass es bei einem Atomunfall keinen Schutz für die Bevölkerung gebe. Sie fragt sich, weshalb die Menschen nicht entsprechend dieser Erkenntnis handeln. Unfassbar sei deshalb die Mitteilung vom Energiaclub Ungarn an die BI: Siemens bemühe sich um den nicht-nuklearen Ausbau des ungarischen Reaktorneubaus Paks II. Den Auftrag zum Ausbau habe die russische Nuklearfirma Rosatom erhalten.Die Besucher des Films fragten sich, wie sich das Vorhaben von Siemens mit den Sanktionen der Europäischen Kommission gegen Russland vertragen. Ganz abgesehen davon, dass Deutschland ja den Atomausstieg beschlossen habe.
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