Bürgerinitiative Matzlesrieth beschließt eigene Auflösung - Vermögen als Spende verteilt
Am Ziel: Windpark weggeblasen

Der Zweck ist erfüllt, das Ziel erreicht, der Windpark bei Matzlesrieth verhindert. Der "harte Kern" löste die Bürgerinitiative auf (von links): Schatzmeister Franz Voith, Ernst Greiner, Gisela Balk, Brigitte Zielbauer, Sprecher Hans Balk, Vorsitzender Dr. Heinrich Bücherl sowie Ortsteilsprecher Reinhard Greiner. Bild: Wieder
Ein harter Kern und viele Unterstützer wagten den Widerstand gegen den Windpark bei Matzlesrieth. Nach sieben Jahren ist die Bürgerinitiative am Ziel. So konsequent, wie sie "die Natur und Landschaft zerstörende Großinvestition" bekämpfte, so folgerichtig geht sie weiter: Sie löst sich selbst auf.

Am Dienstagabend zogen BI-Sprecher Hans Balk und die Vorstandschaft um Dr. Heinrich Bücherl den Schlussstrich. Zugleich beschlossen sie, das Vermögen der BI durch weitere eigene Spenden auf 1000 Euro aufzustocken. Daraus sollen der Landesbund für Vogelschutz 400 Euro, die neue Kita in Letzau sowie die Kapelle Muglhof je 300 Euro erhalten.

Von Stadträten enttäuscht

Die BI hat es schriftlich und zwar aus dem Innenministerium: Die Windpark Weiden GmbH & Ko GmbH hat keine rechtliche Möglichkeit mehr, gegen die ablehnenden Bescheide der Stadt Weiden vorzugehen. Diese sind unanfechtbar geworden. Die Erfahrungen der BI sind durchaus zwiespältig. Großes Lob geht dabei an die Stadtverwaltung, die alle Verfahren "sehr kompetent und gesetzeskonform durchgeführt" habe. Weniger Begeisterung hinterließ das Verhalten der Weidener Stadträte, deren Mehrheit aus SPD, Grünen und Bürgerliste keinen Hehl daraus gemacht habe, dass sie "politisch motiviert die Genehmigung des Windparks durchpeitschen" wollte, meint Balk. Unvergessen bleibt in Weiden-Land, dass die Stadtratsmehrheit bereits jedem der neun Windräder das gemeindliche Einverständnis ausgesprochen hatte: "Ein Unding und völlig an der Gesetzeslage vorbei. Wo blieb da der Artenschutz ", fragt Balk.

In seinem Rückblick betont Vorsitzender Dr. Heinrich Bücherl: "Wir und die Stadtverwaltung haben die Entscheidungsträger der Stadt vor grandiosen Fehlentscheidungen bewahrt." Bücherl bedauert die Entwicklung im Umland. Hier zeige die Erfahrung, dass Natur- und Landschaftsschutzgebiete nur Bestand hätten, solange keine wirtschaftlichen Interessen im Spiel seien. "Scheint eine Nutzung rentabel, ist der Schutzcharakter nichts mehr wert. Ist er nur ein Feigenblatt?"

Auf Augenhöhe

Der Weidener Osten bleibe zwar vor einem Windpark verschont. Doch in vielen anderen Gegenden würden die Bürger von den Investoren glattweg überfahren, unterstreicht Hans Balk. Der nun 70-Jährige war Herz und Motor des Widerstands. Er arbeitete sich in die Thematik ein, war schnell "auf Augenhöhe" mit dem Antragssteller und Fachstellen.

Balk zeigt sich dankbar, dass die Abstandsregelung von "zehnmal Höhe des Windrads" in Bayern im Baurecht verankert sei. "Das gibt den Bürgern Sicherheit." Zugleich widerspricht er vehement der Auffassung, dass damit der Ausbau der Windenergie torpediert werde. In Nordrheinwestfalen gebe es seit 2002 die Verwaltungsanweisung, die einen Abstand von 1500 Metern zur Wohnbebauung vorsehe. "Und damals waren die Räder im Schnitt etwa 120 Meter hoch."
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