Bundespolizei lobt Verhalten der vier Angeklagten - Labor weist Rauschgiftkonsum nach
"Überfreundlich" nach Drogenfund

Auch am vierten Tag des Prozesses vor der 3. Jugendkammer gab es keine Fortschritte. Auf der Anklagebank: Drei Vietnamesen und ein tschechischen Staatsbürger vietnamesischer Abstammung. Die Vier hatte die Bundespolizei vor knapp einem Jahr nahe Waidhaus angehalten. In einer Umhängetasche, die dem Fahrer gehörte, fand man eine kleine Menge Methamphetamin.

Nachdem dieser zugegeben hatte, tags zuvor etwas konsumiert zu haben, nahmen die Beamten den Peugeot näher unter die Lupe. Sie fanden zwei größere Päckchen Crystal, in zwei Turnschuhen versteckt, In einer Packung Damenbinden, die der Freundin des Fahrers gehörte, tauchte weiteres Rauschgift auf. Insgesamt eine Menge von 418,3 Gramm.

Am Dienstag sagten die Polizeibeamten aus, die am Aufgriff auf der A6 beteiligt gewesen waren. Trotz der Verständigungsschwierigkeiten seien die Festnahme und die Durchsuchungen routinemäßig verlaufen. Alle Angeklagten seien sehr freundlich, fast "überfreundlich" gewesen, sagte ein 54-jähriger Bundespolizist. Nur mit einem, dem Jüngsten der Mitfahrer, habe man sich auf Tschechisch verständigen können. Auch Ermittlungsrichter Hubert Windisch berichtete im Zeugenstand von der Befragung der Beschuldigten. Alle hätten ausgesagt, vom Rauschgift nichts gewusst zu haben.

Viel Verwirrung gab es um den Text eines Briefes, den der 40-jährige Angeklagte aus der U-Haft an seinen Bruder geschrieben hatte. Der Ausdruck "Ich muss das nun auf mich nehmen" sei aus dem Vietnamesischen falsch übersetzt, meinten die nunmehr drei Dolmetscher. Es müsse heißen: "Ich muss das nun akzeptieren."

Die Haarprobe der 27-jährigen Beifahrerin, die, nach eigenen Angaben "noch nie etwas mit Rauschgift zu tun hatte", zeigte nach einem Gutachten des Rechtsmedizinischen Instituts der Universität Erlangen deutliche Spuren von "Mischkonsum" diverser illegaler Substanzen. In den sichergestellten Geldbörsen der Angeklagten, die - so ihre Einlassung - nach Paris zu einem Familientreffen wollten, fanden sich nennenswerte Geldbeträge in schwedischen Kronen. Dies spricht für die These der Staatsanwaltschaft, dass das Rauschgift für Schweden bestimmt gewesen war.

Wegen der Ferienzeit und damit einhergehender Schwierigkeiten, die Termine aller Rechtsanwälte unter einen Hut zu bekommen, ordnete Richter Reinhold Ströhle einem der Angeklagten Rechtsanwalt Johannes Zintl neben Rechtsanwalt Stephan Schütz als weiteren Pflichtverteidiger bei. Den Prozess vertagte er auf 17. August. Danach geht es erst am 3. September weiter.
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