Bundestagsabgeordneter Vaatz hält packenden Vortrag in der Regionalbibliothek
Eine richtige Revolution

Als wäre es gestern gewesen, schilderte MdB Arnold Vaatz (Zweiter von rechts) die Vorgänge, die zur deutschen Wiedervereinigung führten. Eingeladen hatten (von links) Harald Krämer und Oberstleutnant a. D. Bernd J. Henn als Vertreter der VHS sowie die Stadt Weiden mit Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. Bild: Bühner

Vor 25 Jahren war er mitten im Geschehen. Arnold Vaatz hat den Zusammenbruch der DDR hautnah miterlebt. Der Politiker spricht nicht von "Wende", sondern von einer "Revolution". Und er behauptet: Der Fall der Mauer war nicht der entscheidende Schritt zur Deutschen Einheit.

Nur derjenige, der bei der friedlichen Revolution in der DDR dabei war, kann so packend erzählen wie Arnold Vaatz. Weil Oberstleutnant a. D. Bernd Henn den Bundestagsabgeordneten aus seiner Dienstzeit in Dresden gut kannte, lud er ihn nun zum zweiten Mal nach Weiden ein. Diesmal nicht in die Kaserne, sondern zu einem Vortrag in die Regionalbibliothek. Veranstalter war die Volkshochschule zusammen mit der Stadt Weiden.

Und die Besucher erfuhren vom Zeitzeugen Vaatz manches, das die Medien oftmals ganz anders darstellen. Eine der wichtigsten Aussagen des Dresdener Abgeordneten und ehemaligen Umweltministers in Sachsen: Nicht der Fall der Mauer, sondern die Entmachtung des Staatssicherheitsdienstes der DDR habe letztendlich die Deutsche Einheit herbeigeführt.

Aktiv gegen Unterdrücker

Als wäre es gestern gewesen, schilderte Vaatz lückenlos alle Geschehnisse, die dem Zusammenbruch des DDR-Staats vorausgegangen waren. Dass er damals "mittendrin" war, belegt seine persönliche Biographie. So saß er vor 32 Jahren sechs Monate lang wegen Verweigerung einer Reserveübung im DDR-Gefängnis. In Dresden gehörte er zur "Gruppe der 20", die aktiv am Widerstand gegen den Unterdrückungsstaat beteiligt war. Vaatz spricht nicht von "der Wende", sondern von "der Revolution".

Zunächst aber schildert er die lange Vorgeschichte vor 1989: Unzufriedenheiten in der Bevölkerung, Zusammenbruch der Staatswirtschaft fast im gesamten Ostblock und Liberalisierungstendenz in der UdSSR unter Gorbatschow. Ab Mitte 1989 beschleunigten sich die Vorgänge. Der Referent blickt zurück auf die Leipziger Montagsgebete in der Nikolaikirche, die Massendemonstrationen in Dresden und die Angst der Honecker-Regierung vor Unruhen am bevorstehenden 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989. Manipulierte Kommunalwahlen wurden öffentlich angeprangert. Immer mehr DDR-Bürger wollten ausreisen.

Massenunruhen in Dresden

Ungarn und die Tschechoslowakei boten günstige Gelegenheiten. Ungarn hatte die europäische Flüchtlingskonvention unterschrieben, nach Prag durfte man ohne Visum fahren . So sei es zu den bekannten Geschehnissen in der deutschen Lobkowitz-Botschaft in Prag gekommen. "Genscher hat davon Wind bekommen und sich dorthin gestellt", formuliert Vaatz. Und weil die Ausreisezüge aus Prag über Dresden fahren mussten, wollten viele dort aufspringen, so dass es zu weiteren gewalttätigen Massenunruhen kam.

Zur Revolution sei es aber erst gekommen, als die Demonstranten entdeckten, dass "ganze Häuserstockwerke schwarz von Videokameras waren, die jeden im Film festgehalten haben". Die Angst "Wir alle werden verhaftet" habe dann die Unruhen weiter befeuert. "Montagsdemos", "Wir sind das Volk"-Rufe und die Angst der Bevölkerung vor einem "Roll-back" schürten die Unruhen weiter an.

Entscheidend seien die Vorgänge in Leipzig und Dresden gewesen. Endgültig beseitigt worden sei das System sei auch erst durch die Besetzung des Ministeriums für Staatssicherheit und die Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstrasse. Vaatz schränkt aber ein: "Alles wäre nicht gelungen, wenn Moskau eingegriffen hätte." Vorwürfe richtet der Zeitzeuge an die Adresse von Oskar Lafontaine, der die "tatsächliche Situation in der DDR nicht begriffen hat". Zudem beklagt er, dass "die alten Machteliten der DDR nach der Vereinigung wieder ganz vorne standen".
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