Café Mitte "bedient" Stockerhut

Sie sorgen sich um alles im Café Mitte (von links): Elisabeth Heider (hauptamtliche Mitarbeiterin) sowie Vereinsvorsitzende Thea Rauchenecker und ihre Stellvertreterin Anneliese Baumgärtner. Bild: Wieder

Nur vier Monate hielt es Thea Rauchenecker im Ruhestand. Dann sah sie sich nach ehrenamtlicher Arbeit um. "Das hier klang interessant." Die ehemalige Geschäftsführerin wollte sich um Büro und Finanzen kümmern. Doch ehe sie sich versah, war sie schon zur Vorsitzenden des Vereins Café Mitte gewählt.

Die Vorstandschaft des Vereins hat sich geändert. Doch die soziale Aufgabe bleibt. Der Verein betreibt das Café Mitte und den Bürgersaal - vor allem, aber nicht nur für die Bewohner des Stadtteils Stockerhut. Obwohl das Angebot des Vereins zunehmend bekannter und immer besser angenommen wird, ist er auf städtische Zuschüsse angewiesen.

Im Stadtteil Stockerhut ist das Café Mitte eine feste Größe. Die Offiziersfrauen fühlen sich hier wohl, ebenso wie die Teilnehmer der Hutzanachmittage und des Tanztees. Die Malteser kommen ebenso gerne wie die Ost- und Westpreußen. Vor allem der Bürgersaal ist gut frequentiert: 40 bis 50 Damen zählt das Frauenfrühstück, das 2. Vorsitzende Anneliese Baumgärtner vorbereitet. Hier trifft sich der Seniorenkreis Kreuz Christi. Seit Jahren ist die Stiftung Adventslicht von Dr. Renate Freuding-Spintler dreimal wöchentlich mit ihrer Armenspeisung zu Gast.

Mittagessen für vier Euro

Elisabeth Heider, von Anfang an dabei und neben den vielen Ehrenamtlichen und sechs Teilzeithelferinnen einzige hauptamtliche Mitarbeiterin, kocht täglich für zwei Klassen der Albert-Schweitzer-Schule auf. Die Kinder sind von ihrer gutbürgerlichen Küche begeistert. Gerngesehen sind die Lehrer und Schüler der Europa-Berufsschule.

Die Menü- und Getränkepreise sind überaus günstig: Ein vollständiges Mittagessen kostet 4 Euro. Drei Dotsch mit Apfelmus gibt's aber schon für 2,10 Euro. Die Speise-Karte wechselt täglich. "Wir haben einige alleinstehende Frauen und Männer, die sich täglich ihr Mittagessen holen." Inzwischen legendär ist der Freitagsfisch, der seine treuen Feinschmecker findet. "Unser ,Fisch gebacken' ist ein Renner. Deshalb ist eine Vorbestellung empfehlenswert."

Die Öffnungszeiten im Café Mitte konzentrieren sich auf die Wochentage (Montag 11 bis 14 Uhr, Dienstag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr). Aber auch am Abend und am Wochenende wird gerne geöffnet. Äußerst günstig kann der Bürgersaal (bis zu 65 Sitzplätze) gebucht werden. Und damit bringt er Leben ins Stadtteilzentrum: Polterabende, Taufen, Konfirmationen werden hier gefeiert. Das gesamte Umfeld dient auch den türkischen Bräuten und Familien zu Feiern der Henna-Nacht. Die Einrichtungen werden für Schulungen, Seminare und Vorträge, vor allem für Weiterbildung im sozialen Bereich, genutzt. So buchte sich etwa die Alzheimer-Gesellschaft in den vergangenen Wochen ein.

Intensive Kontakte werden bei den Begegnungstreffen mit den Asylbewerbern in der Kasernenstraße sowie bei den Festen mit US-Amerikanern, Russlanddeutschen oder Griechen gepflegt. "Wir leben den Austausch und die Integration. Wir wollen den Zusammenhalt in diesem Ortsteil stärken." Ebenfalls etabliert haben sich die Basare und Flohmärkte. Der Erlös kommt vor allem Einrichtungen oder Bedürftigen aus dem Stadtteil zugute.

Rauchenecker und Baumgärtner planen nun, die Idee von Elisabeth Heider umzusetzen, und wollen einen Witwenstammtisch gründen. Das Motto, so die neue Vorsitzende, könne etwa "Gemeinsam statt einsam" sein. Forciert wird der "Büchertisch", auch um das Lesen bei den Kindern uns Senioren zu fördern.

Sorgen mit dem Café

Während der Bürgersaal immer öfter nachgefragt wird, vermeldet das Café selbst noch großen "Entwicklungsbedarf". Das Café mit der großen Glasfront mit Blick hinaus ins neue Grün des Stockerhutparks bleibt offenbar ein Geheimtipp. Gerade, weil vor der Türe die Haltestellen von zwei stark frequentierte Buslinien liegen, erwarten Rauchenecker und ihr Team doch noch mehr Gäste. Am Angebot des Cafés, so glauben sie, kann's nicht liegen. Täglich gibt's frischen Kuchen. Und: Eine Tasse Kaffee geht schon für 1,10 Euro über die Theke. Ein Bier kostet 1,90 und ein Wasser 1,50 Euro. "Da muss doch niemand in die Altstadt fahren, wenn er hier die Sonne, den Kuchen und den Kaffee viel günstiger genießen kann."

Die neue Vorstandschaft steht also durchaus vor weiteren Herausforderungen. Weitere ehrenamtliche Helfer sind jederzeit willkommen.
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