CariCafé für Suchtkranke

Noch sind die Stühle leer. Katjenka Wild (rechts) und Gertrud Gerhards (links) von der Caritas-Fachambulanz in Weiden hoffen aber auf viele Besucher im neuen CariCafé. Bild: Bühner

Für die meisten Menschen mit Suchterkrankungen ist der Schritt zu Beratung und Therapie zu groß. Eher ziehen sie sich zurück und finden so noch weniger Hilfe. Um besser an die Betroffenen heranzukommen, geht die Caritas-Fachambulanz neue Wege.

Weiden. (sbü) CariCafé für Suchtkranke und Abhängige nennen es die Initiatoren. Ab sofort lädt die Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme zweimal pro Woche zu einer "ungezwungenen Runde in gemütlicher Atmosphäre bei Kaffee oder Tee" ein. Katjenka Wild, Leiterin der Caritas-Fachambulanz in Weiden, hatte zusammen mit ihrem siebenköpfigen Team diese Idee. Sie suchte einen Sponsor und fand diesen in der Mario Graf Recycling GmbH.

Das CariCafé sei zwar kein öffentliches Café, sondern vorrangig für Klienten und Ratsuchende der Fachambulanz eingerichtet, sagt Katjenka Wild. Damit will sie aber auch Abhängige und Suchtkranke ansprechen, die bisher noch nicht den Weg in die Fachambulanz gefunden haben. Deren Zahl sei um ein Vielfaches höher als die Zahl der Hilfesuchenden in den Beratungsstellen. "Die Besucher können einfach nur Kaffee oder Tee trinken, ohne reden zu müssen" , sagt die Diplom-Sozialpädagogin. So könnten eventuell bestehende Kontaktängste überwunden werden. Betroffene könnten hier auch neue Kontakte knüpfen und dadurch wieder mehr Anschluss an die Gesellschaft finden. "Bei einer Tasse Kaffee oder Tee kommt man oft ganz ungezwungen ins Gespräch." Das Beratungsteam sei im Café jederzeit zu sprechen.

Dieses niedrigschwellige Angebot sei eine Einladung an Menschen, die an einer Sucht leiden. Keinesfalls sei der Personenkreis auf Menschen mit Drogen- oder Alkoholproblemen begrenzt. "Spielsucht, vor allem Glücksspielsucht, ist längst zu einem gesellschaftlichen Problem geworden", erklärt Gertrud Gerhards, in der Fachambulanz zuständig für die Fachstelle Glücksspielsucht.

Gertrud Gerhards und Katjenka Wild widersprechen dem Vorurteil, dass Suchterkrankungen vorrangig die jüngere Generation betreffen würden. Keine Altersgruppe sei hiervor gefeit und "viele Betroffene sind mit ihrer Krankheit zwischenzeitlich in die höheren Altersjahrgänge hineingewachsen". Mit dem CariCafé wollen die Mitarbeiter den Betroffenen auch die Möglichkeit geben, eine Tagesstruktur zu schaffen. Das Hilfsangebot sei nicht ausschließlich auf Sucht ausgerichtet, sondern könne auch praktische Probleme betreffen. "Zum Beispiel was man tun soll, wenn einem der Strom abgestellt wird", sagt Katjenka Wild. Das sei generelle Lebenshilfe. Die Mitarbeiter wollen so Vertrauen aufbauen und hoffen, dass die Besucher dann auch konkretere Hilfe annehmen.

Montags und freitags

Eingeladen wird zum CariCafé ab sofort jeden Montag und Freitag von 8.30 bis 10 Uhr in die Räume der Caritas Fachambulanz in Weiden, Nikolaistraße 6, 2. Stock. Ein Gruppenraum wurde eigens dafür umgebaut und mit Stühlen, Tischen und einer Kaffeebar ausgestattet.
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