"CarLa" ist raus aus den Windeln

Bei Maria Weiß (links) laufen die Fäden zusammen: Sie hat die Idee für den Caritas-Laden mit ausgetüftelt und in Edeltraud Hausel (Mitte) sowie 6 weiteren Frauen eifrige Mitstreiterinnen gefunden. Zur großen Freude von Ursula Malterer (rechts), Leiterin der Caritas-Schwangerschaftsberatung. Zur Feier des fünfjährigen Bestehens am Samstag hoffen die Frauen auf möglichst viele Besucher - und natürlich gutes Wetter. Bild: Götz

Kürzlich waren Zollbeamte da. "Die haben für eine Flüchtlingsfamilie Kinderkleidung und Schuhe geholt, weil die Kleinen mit nackten Füßen unterwegs waren", erzählt Ursula Malterer. "CarLa" bietet da reiche Auswahl - und: "Ich habe ihnen auch noch ein paar Spielsachen mitgegeben."

Weiden. (ps) Dabei hat die Leiterin der Caritas-Schwangerschaftsberatung mit "CarLa" eigentlich kaum zu tun. Das Geschäft, das günstige Kleidung für Schwangere, Babys und Kleinkinder aus zweiter Hand bietet, betreiben nämlich neun Ehrenamtliche unter Federführung von Maria Weiß. Sie war es auch, die die Idee für diesen besonderen Laden bei einem Gespräch mit den Caritas-Mitarbeiterinnen mit angestoßen hat. Jetzt feiert "CarLa" bereits den fünften Geburtstag: mit einem großen Familienfest am Samstag, 18. Juli.

Der Laden läuft bestens

"Der Laden wird total gut angenommen", freut sich Sozialpädagogin Ursula Malterer. In erster Linie natürlich von den Klientinnen der Beratungsstelle, die häufig mit jedem Cent rechnen müssen. Genau deshalb haben die Frauen von der Schwangerschaftsberatungsstelle diese Einrichtung auch aus der Taufe gehoben. Grundsätzlich ist "CarLa" allerdings für jeden offen: dienstags von 9 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 17 Uhr. Maria Weiß und ihre acht eifrigen Mitstreiterinnen sorgen dafür, dass der Laden läuft.

Dazu gehört natürlich auch viel Arbeit im Hintergrund. Die Ware muss ausgepackt, nach Größen sortiert und ausgezeichnet werden. Geboten werden Kinderkleidung (0 bis 3 Jahre), Schwangerschaftskleidung, Spielzeug und Kinderwagen, Babybetten und mehr zu supergünstigen Preisen. "Kinderkleidung kostet in der Regel ein bis drei Euro", sagt Maria Weiß, und Uschi Malterer fügt hinzu: "Kürzlich hatten wir einen ganz tollen Sportwagen für 20 Euro." Preise also, die man sich selbst mit knapper Kasse meist noch leisten kann. Falls nicht, gibt es für die Klienten der Beratungsstelle Gutscheine für "CarLa". Frauen in Notlagen dürfen sich ganz umsonst in dem Laden im Rückgebäude des Katholischen Sozialzentrums bedienen.

Für Maria Weiß ist das Engagement hier nicht der einzige Einsatz auf sozialem Gebiet. Seit 25 Jahren betreut sie im Auftrag der Familienhilfe des Weidener Jugendamtes Familien, die in der Regel nicht auf Rosen gebettet sind. Sie hat dadurch Zugang zu Menschen bekommen, die nicht mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Ihre Erfahrung: "Jeder Mensch hat etwas Gutes in sich. Viele Menschen haben Vorurteile gegenüber Ausländern oder Hartz-IV-Empfängern. Aber wer sich mit ihnen einlässt, stellt fest, dass es Vorurteile sind. Das sind ganz normale Leute. Wir haben hier sehr interessante Begegnungen."

Ihre Mitstreiterinnen hat sie in ihrem Bekanntenkreis angeworben. "Die meisten sind inzwischen Omas und wissen, welche Kleidergröße oder welches Spielzeug für die jeweilige Altersgruppe geeignet ist", erzählt Edeltraud Hausel. Die Weidenerin ist ebenfalls von Anfang an dabei. Außerdem engagieren sich Ute Muckenschnabel, Eva Leyendecker, Gisela Fischer, Hedi Weixelbaum, Elfriede Bergmann, Danielle Hudl und Ursula Ziegler ehrenamtlich in dem Laden. Worauf Maria Weiß besonders stolz ist: Die Ware wird liebevoll präsentiert, der Laden ist schön dekoriert. "Wir sind kein Kruschladen. Im Gegenteil: Viele Kundinnen haben das Gefühl, in eine Art Kinderboutique zu gehen."

Viele eifrige Spender

An Nachschub fehlt es übrigens nicht. "Wir werben zwei Mal pro Jahr unter dem Motto ,CarLa braucht etwas zum Anziehen' in den Weidener Kindergärten um gut erhaltene Kleidung", sagt Ursula Malterer. "Roman Gollinger fährt alle Einrichtungen an und holt die Sachen ab. Das ist uns eine große Hilfe." Außerdem unterstützt die Belegschaft der Firma Witt den Laden mit privaten Spenden, und auch die Klienten bringen oft Kleidung zurück, aus denen die Kinder rausgewachsen sind.

Dass selbst Sprachbarrieren für "CarLa" kein Hindernis sind, belegt folgendes Erlebnis von Sozialpädagogin Pia Winter: "Kürzlich kam eine Frau zu uns mit einem Zettel in der Hand. Darauf stand ,Caritas', und es waren Kleidungsstücke aufgemalt. Die Frau hat damit zu uns gefunden." Wer den Zettel gemalt hat, weiß Pia Winter nicht. Aber er hat die Asylbewerberin ans Ziel gebracht.
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