Chefarzt Dr. Albert Roßmann empfiehlt mindestens drei Stunden pro Woche
Brustkrebs: Sport senkt Risiko

"Sport zu treiben, um Krebs zu verhüten" , empfahl Chefarzt Dr. Albert Roßmann von der Frauenklinik bei seinem Referat im Besuchercafé des Klinikums. Bild: sbü
(sbü) Rund 70 000 Frauen erkranken derzeit jährlich in Deutschland an Brustkrebs. Doch dank besserer Medizin sinkt die Zahl der Sterbefälle. "Um bis zu 40 Prozent sinkt das Erkrankungsrisiko bei Brustkrebs bei mindestens drei Stunden Sport pro Woche", betont Dr. Albert Roßmann, Chefarzt der Frauenklinik Weiden bei seinem Vortrag in der Reihe zum 125. Jubiläumsjahr der Weidener Klinik. Bei keiner anderen Behandlungsmethode gebe es einen Nachweis absoluter Effektivität.

Der Chefarzt bedauerte, dass fast keine Patientin auf dieses Thema einginge. Auch die Fragen der zahlreichen Besucherinnen des Vortrags "Therapie des Mammakarzinoms, früher und heute" bestätigten dies dem Mediziner. Sie betrafen zum Beispiel Vitamin D, Selen oder das Arzneimittel Tamoxifen. "Wenn Sie im Internet recherchieren, finden Sie tausend Stoffe gegen Brustkrebs", sagte Dr. Roßmann. "Doch die Krebszellen sind noch nicht endgültig erforscht. Die letzte Antwort bekommen wir vielleicht in 20 Jahren."

Brusterhaltende OP

Der Chefarzt betonte, dass die Behandlungsmethoden von Brustkrebs wesentlich behutsamer, Brustamputationen seltener geworden seien. Heutzutage operiere man "brusterhaltend". Und trotz steigender Erkrankungszahlen gehe die Zahl der Todesfälle aufgrund verbesserter Vorsorge, Diagnostik, Therapie und Nachsorge zurück, erläuterte Dr. Roßmann.

Ein Spezialistenteam befasse sich im zertifizierten Brustzentrum am Klinikum Weiden mit jeder Patientin. Strahlentherapeut, Onkologe und Radiologe gehörten unter anderem dazu. Brustoperationen seien absolute Routine. Und die "aufwendige ergänzende Betreuung durch Breastcare Nurses (Fachkrankenschwester), Sozialvisiten, Kosmetik- und Entspannungsseminare" komme hinzu. Weil Mammakarzinome in molekulare Untergruppen einzuteilen seien und Karzinome multidimensional seien, müsse stets gefragt werden, "Was braucht diese Frau?", versicherte Dr. Roßmann.

Nachteile der Chemo

Auch die Klärung, ob Lymphknoten befallen sind, sei sehr wichtig. Die Strahlentherapie sei fester Bestandteil "sowohl bei Brusterhaltung als auch bei Brustentfernung". Bei Brustkrebstherapien müsse auch immer der gesamte Organismus einbezogen werden. "Die Operation ist nur ein Baustein, neben Chemo- und Antikörpertherapie und der Antihormontherapie und weiteren ergänzenden Maßnahmen." Allerdings bestehe bei der Chemotherapie der Nachteil, "dass auch andere Zellen beschädigt werden". Und der Einsatz von Medikamenten hänge stark vom Alter der Patientin ab (Wechseljahre!) und von der individuellen Aggressivität der Krebszellen.

Nach wie vor steht laut Dr. Roßmann die Mammografie im Mittelpunkt der Diagnostik. Dabei liege heute die Strahlenbelastung nur noch bei fünf Prozent früherer Werte. "Im Flugzeug ist die Strahlenbelastung höher." Ultraschalldiagnose empfahl Dr. Roßmann nur ergänzend, weil sie "geräte- und untersucherabhängig" ist. Kernspinuntersuchungen sollten am besten nachgeschaltet und nur in Zusammenschau mit den anderen Methoden angewandt werden. Man habe bei Kernspin häufig viele "positive Befunde", so dass "Patientinnen umsonst operiert werden".
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