Chemie-Branche: Gewerkschaft IG BCE fordert mehr Lohn
4,8 Prozent fest im Blick

Ralf Sikorski, Mitglied des IG-BCE-Hauptvorstandes, bekräftigte beim Pressetermin in Weiden die Forderungen der Gewerkschaft. Bild: Steinbacher

Für die Chemie-Branche droht im Februar eine harte Tarifrunde. Die Gewerkschaft IG BCE fordert 4,8 Prozent mehr Lohn. Der Chemie-Arbeitgeberverband bezeichnete das als "realitätsfern".

(doz/dpa) Ralf Sikorski, Mitglied des IG-BCE-Hauptvorstands, bezeichnete den Vorwurf der Arbeitgeber als "typisches Gerassel" im vorab und konterte am Freitagnachmittag bei einem Pressegespräch in Weiden: "Anscheinend hat der Arbeitgeberverband keinen Blick für die Realität. Die Forderung von 4,8 Prozent ist wahrlich nicht linksradikales Gedankengut."

Sikorski betonte, dass es der Chemieindustrie in Deutschland gut gehe. Von den Verhandlungen sind bundesweit rund 550 000 Beschäftigte betroffen. Im IG-BCE-Bereich Nordostbayern sind es 2500. Die Verhandlungen werden zunächst in den Regionen geführt und zu einem späteren Zeitpunkt zentralisiert. Den Auftakt macht das Tarifgebiet Nordrhein am Montag, 26. Januar, in Düsseldorf. Die entscheidende bundesweite Runde könnte im Februar beginnen.

Drei- oder Vier-Tage-Woche

Die Gewerkschaft fordert neben den 4,8 Prozent, dass die Vergütung in jedem Ausbildungsjahr um 60 Euro erhöht wird, und rückt eine "gute und gesunde Arbeit sowie lebensphasenorientierte Arbeitszeit" in den Fokus. Konkretes Ziel ist es, Modelle für eine Drei- oder Vier-Tage-Woche für Beschäftigte ab dem 60. Lebensjahr weiterzuentwickeln. Wie auch in anderen Branchen gibt es laut Sikorski einen Fachkräftemangel, dem es mit sogenannten Generationstandems entgegenzuwirken gelte. Die Zusammenarbeit von älteren und jüngeren Beschäftigten sei sowohl für den Erfahrungsaustausch als auch für den Wissenstransfer notwendig.

Sikorski sieht in den Betrieben einen "riesigen Regelungsbedarf". "Wir tun manchmal so, als sei die Arbeitszeitenregelung eine Romantik aus den 60er Jahren." Der Gewerkschafter plädiert für klare Statuten, was Arbeiten am Wochenende und von zu Hause aus betrifft. Auch die psychische Belastung der Arbeitnehmer sei nicht zu unterschätzten. Viele Berufe seien nicht mehr so getaktet wie früher. "Es gibt keine Rehabilitationskultur, die wir eigentlich bräuchten." Arbeit müsse so gestaltet werden, dass zwar Spitzen möglich seien, aber man in einem Betrieb auch gesund alt werden könne. "Es gibt zwar die Möglichkeit eines Lebensarbeitszeitkontos, das wird aber von den Arbeitgebern bescheiden genutzt." Wichtig sei es, ein Grundverständnis vom Wert der Arbeit und die Belastbarkeit von Menschen zu schaffen.
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