Ciao, Loretta
Leute

Weiden. (phs) Sie wird "mit einem Koffer voller Erinnerungen" nach Italien zurückkehren. So schön beschreibt Loretta de Rocco ihren Abschiedsschmerz. Die herzliche Inhaberin der Eisdiele "Cortina" rechts vom Alten Rathaus sperrt am Sonntag für immer zu, "wenn nicht noch ein Wunder geschieht".

Nicht nur für die vielen Stammgäste kommt dieser Schritt überraschend. Erst am Sonntag vor einer Woche habe sie sich dazu entschieden, sagt die Herrin über Espressi und Himbeereis, über Sprizz und Scroppino. "Mein Mann ist krank, und die Kosten laufen mir davon", bedauert die 53-Jährige. Seit vier Jahren arbeitet sie in Weiden. "Die letzten beiden lief es hervorragend, aber ich kann die ersten damit nicht mehr aufholen", erklärt sie. Nun muss sie aus dem Mietvertrag raus. Im Februar 2011 hat sie das "Cortina" im Internet entdeckt. Zuvor hatte sie eine Eisdiele in Steinheim an der Murr bei Stuttgart. Als dort der Vertrag auslief, habe sie sich "mit geschlossen Augen" für Weiden entschieden. Das hat die Eismacherin nie bereut. "Es leben so tolle Leute hier. Die Gäste, die Geschäftsleute außen herum, wir sind wie eine große Familie."

Die Zukunft ist ungewiss. Loretta kehrt in ihren Heimatort im Val di Zoldo in den Dolomiten zurück. Was sie dort arbeitet, weiß sie noch nicht. Das Gleiche gilt für ihren Sohn Nico , der sie im "Cortina" unterstützt hat. Auch der gelernte Grafiker muss sich nach etwas Neuem umsehen. Mutig? Schon. Aber wenn man bedenkt, dass die Chefin seit vier Jahren jede Woche sieben Tage im Café stand und keinen Tag Urlaub hatte, fällt das Verständnis leichter.

Außerdem ist sie wieder näher bei ihrem Mann und Tochter Giulia , die im Gefängnis von Verona angestellt ist. Vorerst in Weiden bleibt Victoria , die Loretta hinter dem Tresen unterstützt hat. Sie wird mit Nico erstmal eine Fernbeziehung führen. Etwas Ähnliches verbinden künftig wohl viele Weidener mit dem "Cortina". Immer wieder kommen dieser Tage Gäste mit einem Blümchen oder einer Süßigkeit, die das Loretta-Team an die Oberpfalz erinnern sollen. Die de Roccos haben nicht nur dank der sympathischen Atmosphäre Spuren hinterlassen. "Ich habe allen ein bisschen Italienisch gelernt", lächelt Loretta.
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