Cordon bleu für die Hunde

Von Betrügereien lebte ein Pärchen (beide 19) den ganzen Sommer letzten Jahres. Man lebte im Auto, tankte auf Rechnung, mietete sich in Hotels oder Pensionen ein und bestellte Essen aus Wirtshäusern - alles ohne Geld.

Die Tour der jungen Leute endete nun in Weiden. Der junge Mann und seine damalige Freundin standen wegen einer Unzahl von Betrugsfällen, Urkundenfälschungen, Verstößen gegen das Haftpflichtversicherungsgesetz, Beleidigung und Diebstahl vor dem Jugendschöffengericht. Allein die Verlesung der Anklage dauerte fast eine Stunde.

Rausgeflogen

Die aus dem Raum Landshut stammenden Angeklagten hatten sich im November 2012 über das Internet kennengelernt. Nachdem beide wegen Streitigkeiten mit ihren Eltern zu Hause rausgeflogen waren und die Lehrstellen hingeschmissen hatten, fuhren sie im BMW des jungen Mannes Monate lang durch Bayern. Übernachtet wurde, zusammen mit dem Bernhardiner-Mischling der Frau und dem Riesenschnauzer des Mannes, im Auto. Wenn es nachts kalt wurde, lief der Motor. Die große Menge Benzin, die dabei verbraucht wurde, ergaunerte sich der 19-Jährige an Tankstellen. Die Betreiber blieben jedes Mal auf dem Betrag sitzen.

Viel Sprit verheizt

Dutzende von Tankstellen in Ober- und Ostbayern wurden so um 2855 Liter Kraftstoff betrogen, was, wie Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Peter Frischholz errechnete, für 35 000 Kilometer reichte. Da diese Strecke nicht gefahren wurde, ging er davon aus, dass ziemlich viel geheizt worden war.

Unter falschem Namen mietete sich die Arbeitslosen in Hotels und Pensionen von Hallbergmoos bis Vohenstrauß und Eslarn ein. Wenn es ans Zahlen ging, flüchteten sie über die Feuertreppe. Essen bestellten sie per Telefon in Pizzerien und Gasthöfen.

Für die Hunde das Beste

Auffallend war, dass neben den Gerichten, die sie selbst verzehrten, stets auch zwei Gerichte mit reichlich Fleisch dabei waren. Die großen Hunde bekamen nur das Beste. Die Rechnungen wurden unter Angabe falschen Wohnorts, falschen Namens und Arbeitsplatz "vertagt". Ein Ladendiebstahl und mehrere Bestellungen im Internet flossen außerdem in die Anklage Frischholz' ein.

Vor Jugendrichter Otmar Schmid legten beide Angeklagten ein Geständnis ab. "Aus Not" habe man die Straftaten begangen. Das Liebesverhältnis besteht nicht mehr und die 19-Jährige wird demnächst zu ihrem neuen Freund ziehen, einem 33-Jährigen. Frischholz erkannte, dass "keine Handys oder Luxusgüter" ergaunert worden waren, sondern nur das für das Überleben Notwendige. Dem jungen Mann, der nun sechs Monate in U-Haft verbracht hatte, wünschte er, dass "er kein Dauerkunde bei Gericht" wird und plädierte auf zwei Jahre mit Bewährung. Seine Kumpanin sollte, wegen ihres geringeren Tatbeitrags, acht Monate auf Bewährung bekommen. Rechtsanwalt Franz Brem berichtete, dass sein Mandant mit einer Bewährungsstrafe in einer betreuten Wohngruppe bleiben könne. Man möge ihm die Zukunft nicht durch einen Führerscheinentzug verbauen. Rechtsanwalt Andreas Fischer hielt für seine Mandantin eine Verwarnung mit einer Arbeitsauflage für ausreichend.

Richter Schmid und die Schöffen urteilten milder als der Staatsanwalt: ein Jahr neun Monate mit Bewährung für den Mann; acht Monate, ebenfalls auf Bewährung, für seine Komplizin. Sie muss zudem 80 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. Schmid betonte, dass er bei beiden "Hopfen und Malz nicht verloren" sehe. Dem Heranwachsenden hatte die Anstaltsleitung der JVA Weiden bestätigt, dass er zuverlässig und beanstandungsfrei gearbeitet hatte.
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