Crystal "frisst sich rein in Europa"

Wir brauchen mehr Streetworker. Die haben sich in Tschechien bewährt.

Im Fernsehen hat Gerhard Krones gesehen, dass jetzt die ersten Altersheime für Alt-Junkies eingerichtet werden. "So weit soll es mit den Jugendlichen von heute nicht kommen", erklärte der Mitbegründer von "Need NO Speed". Die Initiative geht neue Wege und hat bereits einiges erreicht.

Weiden. (ps) "Wir wollen der Stachel in der Routine sein", sagte der Diplom-Psychologe und pensionierte Leiter der Caritas-Suchtberatungsstelle. Gemeinsam mit Kripo-Chef Thomas Bauer und Theresa Sowa vom Stadtjugendring informierte er den Jugendhilfeausschuss über den aktuellen Stand. Seine Sorge: "Der mediale Hype über Crystal Speed ist vorbei."

Dabei breite sich die Droge in Deutschland und in den Nachbarländern immer weiter aus. Immerhin sei die Zahl der Sicherstellungen von 11 im Jahr 2006 auf 77 im Jahr 2013 gestiegen. "Die Droge frisst sich rein in Europa." Und sie betreffe alle Altersgruppen. Gleichzeitig werde bei keinem anderen Rauschgift "so weggeschaut".

Bei flächendeckenden Infoveranstaltungen, der Schulung von Multiplikatoren, Elternabenden und Deutsch-tschechischen Dialogen habe die Initiative viel erreicht. Das Landestheater Oberpfalz und der Lions-Club Goldene Straße leisten hier wertvolle Unterstützung, berichtete Krones dankbar. Theresa Sowa vom Stadtjugendring erinnerte an das Jugendtheaterfestival im JuZ in Kooperation mit dem LTO und einem Workshop für die Trachtenjugend: Eine wichtige Schulung für die Bezirksleiter, die sich bis dahin überfordert fühlten, wenn sie mit einem Drogenproblem konfrontiert wurden. "Dank Lions war es möglich, ein Elternwochenende anzubieten", berichtete Krones. "Das hat voll eingeschlagen."

Ebenso wie Thomas Bauer betonte er, dass die Zusammenarbeit mit Tschechien in den vergangenen drei Jahren immer besser geworden sei. Ja, inzwischen könne man sogar von den Nachbarn lernen. "Wir brauchen mehr Streetworker", forderte Krones. "Die haben sich in Tschechien bewährt, auch in ländlichen Regionen." Als weitere Ziele für die Zukunft nannte er eine stärkere familienorientierte Arbeit im Jugendbereich. "Und wir brauchen suchtspezifische sozialpädagogische Familienhilfe". Denn bei der bisherigen Arbeit habe sich gezeigt: "Es gibt zum Teil sozialpädagogische Familienhilfen, deren Klienten zu 100 Prozent drogenkonsumierende Eltern hatten."

Festhalten wollen die Aktiven aus den Reihen von Polizei, Jugendarbeit und Suchtberatung, die sich aus privater Initiative zu diesem Projekt zusammengeschlossen haben, außerdem an folgender Forderung: Der Einrichtung einer regionalen Präventionsstelle. Dieser Wunsch wurde bereits gegenüber mehreren Bundestagsabgeordneten und auch bei der Sendung "Jetzt red i" aus Weiden vorgebracht. Am 30. Juli steht laut Krones an der OTH ein Treffen mit einem Ministerialbeamten, OB Kurt Seggewiß und den Landräten der Region an, um dieser Forderung erneut Nachdruck zu verleihen.

Plädoyer für vierte Stelle

Was Thomas Bauer besonders am Herzen lag: "Für mich als Kripo-Chef ist es wichtig, dass die vierte Stelle im Stadtjugendring erhalten bleibt." Denn diese Fachkraft habe das Projekt "Need NO Speed" kräftig vorangebracht. "Meine Forderung ist: keine Stellenstreichung in der Jugendarbeit. Da lässt sich noch am ehesten etwas bewegen."
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