Crystal in Turnschuhen

Ein Vorschlag des Richters: "Holen wir die Schuhe aus der Asservatenkammer. Und - wie im Märchen ,Aschenputtel': Wem sie passen, der war's."

Eine Anprobe der lila Turnschuhe erfolgte nach dem scherzhaft gemeinten Vorschlag des Vorsitzenden Richters Reinhold Ströhle nicht. Aber geholt und in Augenschein genommen wurden sie. In den Turnschuhen, Größe 38, und in einer Packung französisch beschrifteter Damenbinden hatte die Polizei im September 2014 über 400 Gramm Crystal gefunden, nachdem die Beamten ein aus Tschechien kommendes Auto kontrolliert hatten.

Die vier Insassen, ein 19-jähriger Tscheche, eine 27-jährige Vietnamesin und zwei weitere Vietnamesen, stehen deshalb wegen Rauschgifteinfuhr vor Gericht. Einer der Männer nimmt die Schuld auf sich. Der 40-Jährige behauptet, die anderen hätten nichts davon gewusst. Er habe sie zu einem Ausflug nach Paris mitgenommen. Dieser Aussage widersprechen allerdings Erkenntnisse der Polizei.

Aussage nicht verwertbar

Nach der Festnahme waren auf Handys der Angeklagten Nachrichten aus Schweden eingegangen "dass die Sachen zu Ende" gingen und es Zeit werde, "den Rest zu holen". Auch waren bei den Festgenommenen größere Beträge in schwedischen Kronen gefunden worden. Der jüngste der Angeklagten hatte im Verhör zugegeben, dass er gegen Bezahlung, die er in Schweden bekommen sollte, mitgefahren sei. Allerdings habe er dies nicht im Beisein eines Rechtsanwalts gesagt, und deshalb sei die Aussage vor Gericht nicht verwertbar, monierte sein Verteidiger Matthias Melkus (Neutraubling).

So und ähnlich versuchen seit Prozessbeginn die Anwälte Daniel Luderer (Leipzig), Adam Zurawel (Nürnberg), Jasmin Tobisch (Nürnberg), Stephan Schütz (Weiden) und Johannes Zintl (Weiden) die Köpfe ihrer Mandanten aus der Schlinge der Justiz zu ziehen. Penibel fragten sie auch am fünften Verhandlungstag bei der Zeugenaussage eines Polizisten nach, wem bei der Durchsuchung des Peugeots was zugeordnet wurde. Die Damenbinden - ob in Tschechien oder Frankreich gekauft - gehörten offensichtlich der Frau, der Betreiberin eines Nagelstudios in Tschechien. Die etwas "krass" aussehenden, Turnschuhe würden ihr auch passen. Sie könnten aber auch, wie Rechtsanwalt Zurawel sofort einwandte, auch ein Geschenk irgend jemandes gewesen sein.

Fortsetzung folgt am 3. 9.

Am 3. September wird die Verhandlung fortgesetzt. Dann wird ein Sachverständiger des Landeskriminalamts bezüglich der Haarproben der Angeklagten gehört. Außerdem wird ein Insasse der Justizvollzugsanstalt Nürnberg, der von "interessanten" Aussagen seines Mithäftlings, des geständigen Vietnamesen, berichtet. Dass dieser Mann demnächst in Weiden vor der 1. großen Strafkammer steht und - wie einer der Angeklagten auch - von Rechtsanwalt Schütz vertreten wird, monierten die Verteidiger sogleich wieder als "problematisch".
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