Dachschaden durch Solaranlage

Die Schützen in Kastl sind eine von etlichen Klageparteien, die derzeit am Landgericht Weiden Schäden durch Solaranlagen einklagen. Darunter sind Firmen genauso wie Privatleute. Bild: Walter

Am Landgericht Weiden sind aktuell einige Zivilverfahren gegen verschiedene Solarfirmen anhängig. Die Kanzlei Rittmann vertritt eine ganze Reihe von Kunden, die enorme Schäden (häufig durchlöcherte Dächer) oder Fehlplanung beklagen. Bei einer Gewerbehalle am Brandweiher steht eine Schadenssumme von 500 000 Euro im Raum.

Weiden/Kastl. (ca) Am Mittwoch waren es die Sportschützen aus Kastl, die gegen die Versicherung einer zwischenzeitlich insolventen Solarfirma vor Gericht zogen. Der Verein "Einigkeit Hubertus Kastl" 1921 hatte dem Unternehmen gestattet, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Schießanlage zu betreiben. Bei Sanierungsarbeiten 2011 wurde das Dach so durchlöchert hinterlassen, dass Wasser eindringt. Die Reparatur kostet laut Gutachter 82 800 Euro.

Der Verein versucht seit 2012, diese Forderung einzuklagen. Am Mittwoch trafen sich die Parteien einmal mehr vor Richter Viktor Mihl wieder. Die Versicherung wurde von Anwalt Gert Beierl vertreten. Schützenvorstand Wolfgang Raps und Kassier Hermann Janke wurden von ihrem Anwalt Dr. Lutz Rittmann begleitet.

Es war für die Vorstandschaft vielleicht der letzte Gang vors Weidener Landgericht: Am Freitag, den 13. November, will Zivilrichter Mihl seine Entscheidung verkünden. Wo für ihn der Weg hingeht, ließ der Jurist aber schon am Mittwoch durchblicken: Der Schützenverein wird sein Geld wohl bekommen.

Der Weg dahin war nicht einfach. 2012 klagte der Schützenverein schon einmal erfolgreich gegen die Solarfirma selbst. Es erging ein Versäumnisurteil. Dieses war wegen der etwa zeitgleich eröffneten Insolvenzverfahrens wertlos. Nach Verhandlungen trat der Insolvenzverwalter die Ansprüche gegen die Haftpflichtversicherung an den Schützenverein ab. Nach Ansicht der Versicherung handelte der Insolvenzverwalter arglistig, als er die Schadensersatzforderung der Schützen zur Insolvenztabelle feststellte. Richter Mihl sah das nicht so: "Der Insolvenzverwalter hat getan, was er tun musste."

Am Ende bestritt die Versicherung, dass überhaupt eine Pflichtverletzung vorlag und zweifelte die Schadenshöhe an. Diese Fragen sollte am Mittwoch ein Gutachter klären. Am Schützenheim waren im Winter 2010 Ziegel gebrochen, weil für die Module ungeeignete Befestigungshaken verwendet worden waren. Daraufhin brachte die Solarfirma stärkere Haken auf. Allerdings machten die Handwerker (Richter Mihl: "Subsubsubsubsub-Schrauber") nicht alle alten Bohrlöcher im Dach wieder zu. In der Folge trat Wasser ein.

Ingenieur Alfred Hollweg aus Bayreuth öffnete für das Gutachten das 630-Quadratmeter-Dach stichprobenartig auf einer Fläche von rund 50 Quadratmeter. Der Architekt stieß auf 17 Löcher, die laut Richter Mihl "nicht zugebicht" waren.

"Es geht nass rein"

Der Schaden ist bis heute nicht repariert: "Es geht nass rein", schilderte Vorstand Raps. Die Mittel für eine Schadensbeseitigung habe man nicht. "Das ist ein Verein", wies Anwalt Rittmann hin. Der Abbau und die Re-Montage der Module plus dazwischen der Verschluss der Löcher kostet laut Gutachten aus dem Jahr 2012 rund 82 800 Euro. Laut Preisindex muss der Verein inzwischen mit fünf Prozent Mehrkosten rechnen. "Besser wird's kaum", rief der Experte den Prozessbeteiligten noch zu, ehe er als Zeuge entlassen wurde.
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