Daheim - ein Stimmungsbild zum Urlaubsende

"Nix wie weg!" Dieser Slogan der Touristik-Branche dürfte eigentlich nicht aus Bayern stammen. Hier singt man doch noch "Fein sein, beinander bleiben". Von der "Dahoam"-Fernseh-Serie ganz zu schweigen. Aber viele Weidener haben doch für ein paar Wochen die Vorzüge ihrer Heimat aus der Distanz gewürdigt.

Um so gründlicher genießt der Heimkehrer dann die Rückkehr in die Oberpfalz. Hier gibt es wieder frische Semmeln, aber keine unausgeschlafenen Gesichter am Hotel-Büfett. Die Sorgen um einen guten Liegeplatz am Pool sind ebenso vergessen wie der Ärger über die verpasste "Sight-Seeing-Tour". Mit dem Paella- und Calamares-Essen ist ebenso Schluss wie mit dem Rotwein, der so trocken war, das der Durst auf süffiges Fassbier noch zunahm. Sicher sind die Sandburgen jetzt vom Winde verweht, und die Kreuzfahrschiffe haben ausgekreuzt. Für die am Urlaubsort zurückgebliebenen Menschen beginnt schon jetzt ihre "staade Zeit".

Der Himmel draußen vor dem Fenster ist zwar weder weiß noch blau, sondern eher regengrau. Doch die Ehefrau versichert ihrem Mann, dass er noch ausreichend gebräunt ist. Die Nachbarn seien scho a weng neidisch. Das bestätigen abends auch die Freunde am Stammtisch. Dort werden noch einmal ausführlich in bester Laune die bemerkenswertesten Urlaubserlebnisse ausgetauscht. Diesmal hat der Xaver den Vogel abgeschossen. Er hat in Marokko einem Händler nach langem Feilschen einen imposanten Amethyst abgekauft. Doch schon bald hatten ihm violette Flecke an den Händen und im Gesicht gezeigt, dass der angebliche Glücksbringer ein angemalter Bergkristall-Brocken war. Damit die Freunde ihm glauben, hat er das Corpus delicti mitgebracht. Nach der Reinigung durch seine Frau lassen die verbliebenen Farb-Reste an die Kontrastmittel beim Zahnarzt denken.

Zu guter Letzt brummt der Xaver: "Geschäftstüchtig war er schon, der Bursch. Aber vielleicht bringt mir der Stein ein bisserl Glück." Auf dem Heimweg singt er dann laut die Lieblingslieder seiner Clique im Urlaubsort. "Auf, auf Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd, ins Feld, in die Freiheit gezogen! Im Felde, da ist der Mann noch was wert, da wird das Herz noch gewogen-" Prompt unterbricht ihn die energische Stimme seiner Frau an der Haustür: "A propos gewogen. Vergiss morgen nicht zwei Pfund Gehacktes beim Metzger!" Der Alltag hat ihn wieder.

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Mit diesem Beitrag setzen wir unsere kleine Serie mit Weidener Geschichten und Begebenheiten fort, wie sie unserem Mitarbeiter Peter Tamme (tap) bei seinen Streifzügen durch die Stadt so auffallen. Mal ein bisschen ernst, aber meist doch mit einem kleinen Augenzwinkern öffnet er den Blick für alltägliche Dinge, die wir alle doch eigentlich auch schon bemerkt haben.
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