Damit aus den Kindern was wird

"Hier macht das Lernen Spaß", versicherte Noah den grünen Politikern, die in Weiden unter anderem die Hausaufgabenbetreuung des Arbeitskreises Asyl besuchten: (stehend von links) Stadtrat Veit Wagner, Bezirksvorsitzender Stefan Schmidt, die Landtagsabgeordneten Christine Kamm und Jürgen Mistol, Jost Hess (AK Asyl), AK-Mitarbeiterin Ewa de Wild und Gruppenleiterin Heidi Sailer. Bild: Götz

"Jede Ausbildung, jede Hilfe zum Schulabschluss ist ein Beitrag für die spätere positive Entwicklung im Nahen Osten." Und hilft zugleich der Oberpfalz. Davon ist Grünen-Abgeordnete Christine Kamm überzeugt. Die Europa-Berufsschule Weiden und der Arbeitskreis Asyl spielen dabei wichtige Rollen.

Weiden. (ps) Wie das alles zusammenhängt? Ganz einfach, meint Landtagsabgeordneter Jürgen Mistol. Der Fachkräftemangel macht sich immer mehr bemerkbar. Dabei seien gerade junge Asylbewerber bereit, auch Ausbildungsberufe zu ergreifen, die bei deutschen Jugendlichen nur noch wenig gefragt seien, wie beispielsweise Bäcker oder Schreiner. Einrichtungen wie die internationalen Förderklassen an der Berufsschule in Weiden seien also nicht nur für die Flüchtlinge im berufsschulpflichtigen Alter wichtig. Sie bildeten auch die Basis für eine spätere Berufsausbildung und davon würde ebenso die Bundesrepublik profitieren. Der Arbeitskreis Asyl setzt mit seiner Hilfe noch weiter unten an, betreut Flüchtlingskinder von der ersten Klasse bis zum Abitur.

Über die Erfolge dieser Einrichtungen und über ihre Probleme informierte sich am Donnerstag eine Delegation der Grünen bei einer Informationstour durch Weiden. Mit dabei waren neben den Landtagsabgeordneten Christine Kamm und Jürgen Mistol - er hat erst vor Kurzem ein Büro in Weiden eröffnet - auch der Bezirksvorsitzende Stefan Schmidt und Stadtrat Veit Wagner.

Allein seit Juli seien über 15 000 Flüchtlinge im berufsschulpflichtigen Alter nach Bayern gekommen, zeigte Mistol auf. Gut die Hälfte davon werde leider in Regelklassen unterrichtet, ohne entsprechende Sprachkenntnisse zu haben. Integration im Bildungsbereich werde zur Daueraufgabe. Die Regierung plane zwar 140 zusätzliche Förderklassen an Berufsschulen noch in diesem Schuljahr. Dafür müssten aber auch die nötigen Mittel und Lehrkräfte bereitgestellt werden.

Die Grünen fordern außerdem, dass jeder Jugendliche eine bereits begonnene Ausbildung zu Ende bringen darf. Egal, ob er in Deutschland bleibt oder nicht. "In Bayern ist das nicht selbstverständlich", kritisierte Mistol. Dabei gelte: Viele Jugendliche bleiben hier und falls sie doch in ihre Heimat zurückkehren - mit einer Ausbildung -, werde so zumindest ein Teil der Fluchtursachen bekämpft.

Sehr angetan von dem erfolgreichen Konzept des Arbeitskreises Asyl zeigte sich Christine Kamm, im Landtag Sprecherin der Grünen für Asylpolitik. "Viele der Flüchtlingskinder bleiben hier, und wir wollen, dass aus diesen Kindern etwas wird", hatte Jost Hess eingangs betont. Dabei erklärte er nicht ohne Stolz: "Wir sprengen alle bundesweiten Prozentzahlen." In der Hausaufgabenbetreuung des AK Asyl gebe es keine Schulabbrecher. Zu verdanken sei dies unter anderem der außergewöhnlichen Betreuungsdichte: rund 250 Kinder werden derzeit täglich von 55 professionellen und ehrenamtlichen Kräften unterrichtet. "Das bringt entsprechende Erfolge." Neben 25 Flüchtlingskindern besuchen auch viele Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund die Hausaufgabenbetreuung.

Schlechte Wörter verboten

"Hier herrscht ein buntes Gemisch, aber wir haben keine Probleme", verwies Hess auf die vielen Nationalitäten der Kinder, die unter anderem in der Asylstraße unterrichtet werden. Eines der Erfolgsrezepte, auf denen der gute Zusammenhalt beruht: "Bei uns sind schlechte Wörter verboten."
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