Das Geschäft mit der Not

Wie professionell das Geschäft mit der Schleusung von Flüchtlingen betrieben wird und wie leicht es sich die Mittelmeerstaaten machen, berichtete in der Verhandlung gegen die beiden Kriegsflüchtlinge ein 58-jähriger Bundespolizist aus Feucht bei Nürnberg. Der Chaffeur, den die Verwandten, die mittlerweile niederländische Staatsbürger sind, dabei hatten, sei seit langem als Menschenhändler, Zuhälter und Dieb amtsbekannt. Etwa 1100 Euro pro Person als Schleuserlohn und dazu 2500 Euro für jeden falschen Pass seien zu bezahlen gewesen, war im Prozess zu erfahren.

Regelrechte Bus-Terminals für Flüchtlinge gebe es in Italien, sagte der Bundespolizist. Er habe die Angaben von aufgegriffenen Geschleusten nicht glauben können und sei - als passionierter Motorradfahrer - in seiner Freizeit einmal nach Mailand gefahren. Dort habe er einen "Ausreisepark" gefunden, an dem Dutzende von Kleinbussen - beschildert mit "Berlin", "Paris", "Dänemark", usw. - auf Flüchtlinge warteten, die nach Mitteleuropa oder Skandinavien gebracht werden wollen.

Italien mache es sich, wie Griechenland auch, leicht. Dort würden ertappte Illegale nicht einmal erkennungsdienstlich behandelt, so dass sie später auch nicht in das Erst-Einreiseland zurück geschoben werden könnten. Der Sachbearbeiter, der eng mit der ZASt (Zentrale Aufnahmestelle in Zirndorf) zusammenarbeitet, bezifferte die Zahl der Asylsuchenden für Deutschland 2014 auf über 248 000. In Italien seien es 37 000 gewesen. (rns)
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.