Das Provisorium hält nicht ewig

Das Mauerwerk von St. Sebastian ist inzwischen an vielen Stellen von Rissen durchzogen. Bild: Flor

Trotz der Bänder im Dachstuhl: Die Risse in St. Sebastian wachsen. Das meint Werner Wilzek, der täglich nach dem Rechten sieht. Mit Egid Mühlbauer gründete er deshalb den Förderverein "Rettet St. Sebastian". Ohne schnelle Sanierung sei das liebenswerte Kirchlein St. Sebastian "ein Schandfleck für die Stadt und Pfarrei".

Putzbrocken und Steinchen fallen aus den Rissen auf den Fußboden. "Das macht der Wind", haben ihm Bauexperten erklärt, betonte Werner Wilzek. "Der Dachstuhl arbeitet". Am Freitagabend nahm der Förderverein die Arbeit auf. Falk Knies (Notar in Ruhe) verdeutlichte die Beweggründe der eineinhalb Dutzend Fördervereinsgründer. Vor 535 Jahren erstmals erbaut, ist St. Sebastian heute die älteste katholische Kirche der Stadt. Abgebrannt, herunter geschlampt, geplündert und immer wieder aufgebaut. Als Hochzeits- und als Handwerkerkirche sei sie besonders beliebt. Sie diene ebenso Vereinen für Festmessen und vielen Gläubigen schlichtweg zum stillen Gebet.

Die Mitglieder des Vereins gingen als Kultursoldaten an die Front. "Hier stellt sich die Frage, wie man mit Kulturgütern umgeht. Man kann sie nicht nur durch aktives Handeln zerstören, sondern auch durch Unterlassen. Im Ergebnis macht das keinen Unterschied. Wir wollen nicht diejenigen sein, die St. Sebastian durch Unterlassen zerstören."

Als Schandfleck empfunden

In seinen grundsätzlichen Anmerkungen betonte Pfarrer i. R. Egid Mühlbauer, dass er das "Outfit" der Kirche St. Sebastian als Schandfleck empfinde. "Und dies empfinden viele Bürger der Stadt mit mir". "Es muss etwas geschehen. Schnell. Und auch wir brauchen kräftig Hilfe."

Stellvertretend für Stadtpfarrer Markus Schmid versicherte Pastoralreferent Markus Brunner, dass die Kirchenstiftung St. Josef die Gründung des Fördervereins sehr begrüße. "Ich möchte allen Gerüchten entgegenwirken, dass irgendjemand etwas gegen die Sanierung von St. Sebastian hätte oder etwas unternehmen würde, um dem Kirchlein zu schaden." Es gebe keinen Zwist zwischen der Pfarrleitung von St. Josef und "den Leuten, die die Sanierung von St. Sebastian betreiben".

Kein Zwist

Fakt sei aber auch, dass die Kirchenstiftung klare Richtlinien habe, wie sie ihre Gebäude zu unterhalten habe. Voran stehe St. Josef. Dann folgten Pfarrheim und Pfarrhof als Verwaltungszentrale und Wohnung der Priester, dann die kirchlichen Einrichtungen (zum Beispiel Kindergärten). "St. Sebastian rangiert ganz hinten. Die Kirchenverwaltung hat keinen Handlungsspielraum, so leid mir das auch tut." Nur etwa ein Zehntel der für die Sanierung nötigen Mittel sei derzeit vorhanden. Es sei jedoch alles getan, um den Bestand zu gewährleisten. "Die bauliche Stabilität ist gesichert. Die Kirche kann benutzt werden."

Auch Falk Knies und der Vorsitzende, Kreishandwerksmeister Karl Arnold, legen Wert auf "Harmonie" zwischen Förderverein und Pfarrleitung. So wird ein weiterer Beiratsposten für Stadtpfarrer Markus Schmid reserviert. Jeder, dem St. Sebastian am Herzen liegt, kann Mitglied im Förderverein werden (Jahresbeitrag 20 Euro). Für Spenden hat der Förderverein St. Sebastian e. V. ein Konto bei der Volksbank Nordoberpfalz eG unter der Nummer 50814 (IBAN: DE57 7539 0000 0000 0508 14) eingerichtet.
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